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Kriegsfackel über Georgien: Ein kaukasischer Teufelskreis

Es ist ein Teufelskreis. Im südlichen Kaukasus brannte schon nach dem Ende der Sowjetunion die Kriegsfackel. Jetzt lodert sie wieder auf.

Berlin (AP) - Es ist ein Teufelskreis. Im südlichen Kaukasus brannte schon nach dem Ende der Sowjetunion die Kriegsfackel. Jetzt lodert sie wieder auf. Georgien und Russland stehen wegen der armen Hochgebirgsregion Südossetien gegeneinander. Außenminister Frank-Walter Steinmeier war erst vor drei Wochen das Risiko eingegangen, einen Friedensplan zur Beendigung der Abchasien-Krise vorzulegen.

Südossetien und das ebenfalls arme Abchasien wollen mit russischer Unterstützung ihre Unabhängigkeit von Georgien behaupten. Aber über das westlich orientierte Georgien, das in die NATO strebt, halten die USA eine schützende Hand.

Georgien an der geografischen Trennlinie zwischen Europa und Asien - auch "Balkon Europas" genannt - ist etwa so groß wie Bayern. Aus dem östlichen Nachbarland Aserbaidschan läuft eine Pipeline hindurch bis in Türkei. Weitere Pipelineprojekt, mit denen der Westen seine Abhängigkeit von russischem Öl und Gas verringern will, liegen in den Schubladen.

Steinmeiers Abchasien-Plan stieß auf die schroffe Ablehnung des abchasischen Präsidenten Sergej Bagapsch. Der Küstenstreifen Abchasien am Schwarzen Meer will jetzt den landeinwärts lebenden Südosseten sogar Freiwillige für den Kampf gegen Georgien schicken.

Schröder bisher einziger Kanzler in Tiflis

Für den Russlandexperten und Programmdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Alexander Rahr, kam die Aktion Steinmeiers "ein bisschen im Hauruck-Verfahren". Er sagte im AP-Gespräch: "Anders als im Nahost-Konflikt hat Deutschland im Kaukasus über die Jahre keine feste diplomatische Präsenz entwickelt." Gerhard Schröder war 2005 der einzige deutsche Kanzler, der bisher Georgien besuchte.

Das Auswärtige Amt nannte die Kritik am deutschen Drei-Stufen-Plan zur Lösung des Abchasien-Konflikts unbegründet. Sprecher Jens Plötner sagte: "Deutschland bemüht sich als Koordinator der Freundesgruppe des UN-Generalsekretärs für Georgien, den Dialogfaden mit den Parteien wieder aufzunehmen. Diese Bemühungen werden nicht nur von allen unseren Partnern in der Freundesgruppe unterstützt, sondern auch von den Konfliktparteien positiv aufgenommen."

Allein der Hinweis Plötners auf die sogenannte Freundesgruppe zeigt, wie komplex der Sachverhalt ist und wie viele Akteure ihre jeweilige Sichtweisen einbringen: Die Gruppe besteht aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Russland und den USA.

Merkel nahe ans Krisengebiet

Südossetien mit seinen 3.885 Quadratkilometern ist dreieinhalb Mal so groß wie Berlin. Auf den Bergen zwischen 1.000 und 4.000 Höhenmetern leben derzeit etwa 70.000 Menschen - meist vom Schmuggel, wie der georgische Präsident Michail Saakaschwili gern sagt. Die Mehrheit der Osseten lebt in dem zu Russland gehörenden Nordossetien.

Abchasien mit seinen 8.600 Quadratkilometern Fläche ist nur halb so groß wie Rheinland-Pfalz. Es war einst als Autonome Republik innerhalb Georgiens die Schwarzmeer-Badewanne der Sowjetprominenz. Der Georgier Josef Stalin hatte in der Hauptstadt Suchumi eine Villa.

Suchumi liegt nur etwa 130 Küstenkilometer südlich des russischen Olympiaorts Sotschi. Dort will Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Woche den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew treffen. Sie verlangte bereits den sofortigen Stopp jeglicher Gewaltanwendung.

1992 erklärte Abchasien seine Unabhängigkeit von Georgien, die georgische Mehrheit wurde in einem Bürgerkrieg vertrieben, in dem es auf be iden Seiten zu Kriegsverbrechen kam. Russland unterhält dort eine Friedenstruppe von 3.000 Mann.

Das Säbelrasseln zwischen Georgien und den Separatisten dauert bereits Jahre. In Südossetien kam es immer wieder zu Feuergefechten, die in den letzten Monaten zunahmen. Die Spannung stieg, als im April über Abchasien ein unbemanntes georgisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen wurde. Georgische Truppen rückten weiter auf Abchasien vor.

Streitpunkt Flüchtlinge

Der Drei-Stufen-Plan Steinmeiers für Abchasien sieht zunächst einen Gewaltverzicht und den Anfang der Rückkehr von Flüchtlingen vor. In der letzten Phase erst soll die Statusfrage auf die Tagesordnung kommen.

Genau darin sieht Rahr allerdings den kritischen Punkt. Mit der Rückkehr von Georgiern würde eine spätere Abstimmung über den künftigen Status Abchasiens für die Separatisten ein unkalkulierbares Risiko.

Im Auswärtigen Amt teilte man diese Kritik nicht. Vielmehr weise der Plan den Weg zum Aufbau von Vertrauen zwischen den Konfliktparteien. "Das deutsche Konzept sieht deshalb Verhandlungen über den Status bewusst erst am Ende dieses Prozesses vor," sagten Diplomaten.

Steinmeier sagte selbst, er habe vor einer "verfahrenen Situation" gestanden. Er sei "mit großem Realismus und ohne Illusionen" gefahren. Dabei hatte er den anderen "eingefrorenen Konflikt" im südlichen Kaukasus zwischen Armenien und Aserbaidschan noch gar nicht erwähnt.

Autor:  Frieder Reimold
Datum:  8 | 8 | 2008
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