Das Gedenken der japanischen Regierung an das Ende des Zweiten Weltkriegs ist in diesem Jahr glaubwürdiger als in der Vergangenheit ausgefallen. Erstmals besuchte am Jahrestag der japanischen Kapitulation kein Kabinettsmitglied den umstrittenen Yasukuni-Schrein. Auf diese Weise setzte die Mitte-Links-Regierung von Premierminister Naoto Kan ihre Politik der Aussöhnung mit den Nachbarländern fort. Vor einer Woche hatte sich Kan für die Kolonialherrschaft über Südkorea entschuldigt.
Die umstrittene Tradition der Schreinbesuche hatten rechtskonservative Politiker Mitte der 1980er Jahre begonnen und dadurch immer wieder die Beziehungen zu den Nachbarländern Korea und China belastet. Der Schrein ehrt auch 14 zum Tode verurteilte Kriegsverbrecher. Die chinesische Führung hatte wiederholt Treffen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi verweigert, weil er den Kriegsschrein ausgerechnet am Kapitulationstag besuchte.
Doch seit dem Regierungswechsel vor einem Jahr zur liberalen Demokratischen Partei (DPJ) sind aus Tokio andere Töne zu hören. Regierungschef Kan und sein Kabinett lehnen einen Schreinbesuch als unnötige außenpolitische Provokation ab. In ihrem Wahlprogramm fordert die DPJ ein neues Kriegsmahnmal, um sich von der einseitigen Geschichtssicht des Yasukuni-Schreins abzusetzen. Daher legte Kan zum 65. Jahrestag des Kriegsendes am Sonntag einen Kranz für die im Ausland getöteten japanischen Soldaten auf einem staatlichen Friedhof nieder.
Der Premier entschuldigt sich
„Wir haben während des Krieges vielen Ländern großen Schaden und Leid zugefügt“, sagte Kan auf der anschließenden Gedenkveranstaltung vor 6000 Menschen, unter ihnen Kaiser Akihito, der Sohn von Kriegskaiser Hirohito. „Wir empfinden tiefes Bedauern, und wir möchten den Leidtragenden und ihren Familien unser ehrlich empfundenes Mitgefühl ausdrücken“, erklärte Kan.
Doch ranghohe Politiker der Liberaldemokratischen Partei (LDP), die Japan bis 2009 mehr als 50 Jahre lang fast ununterbrochen regiert hatte, blieben auf ihrem alten Kurs. So zeigten sich LDP-Chef Sadakazu Tanigaki und Ex-Regierungschef Shinzo Abe am Yasukuni-Schrein. Am Vortag hatten außerdem mehrere rechtsextreme Politiker aus Europa um den französischen Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen den Schrein besucht.
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