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Kriminalstatistik: Weniger Kinderpornos in Privatbesitz

Die Polizeiliche Kriminalstatistik wirft viele Fragen auf und liefert nicht weniger Antworten. Die Zahlen können verwirren und sind vielfältig interpretierbar. Für die Gegner der Internet-Sperren kommen sie zur rechten Zeit. Von Patrick Beuth

Fahrraddiebe verschlechtern die Kriminalstatistik. Die Fälle werden selten aufgeklärt.
Fahrraddiebe verschlechtern die Kriminalstatistik. Die Fälle werden selten aufgeklärt.
Foto: ddp

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2008 umfasst 56 Seiten im Format DIN A 4, sie enthält viele Tabellen und noch viel mehr Zahlen. Aber beim Interpretieren dieser Zahlen müsse man sehr vorsichtig sein, betont Bremens Innensenator Ulrich Mäurer am Montag in Berlin.

Am besten lässt man es gleich ganz sein, will er damit wohl sagen. Denn hinter den insgesamt 6.114.128 registrierten Straftaten des vergangenen Jahres steckt alles mögliche. Äpfel und Birnen eben, die sich nicht vergleichen lassen.

Warum wohl ist die Aufklärungsquote "im katholischen Münster", in Bremen und Bonn so schlecht, fragt Mäurer bei der Vorstellung der Statistik, und antwortet sich selbst: "Weil dort am meisten Fahrräder gestohlen werden, und das wird praktisch nie aufgeklärt." Und warum ist die Aufklärungsquote in Hannover so überdurchschnittlich hoch? "Weil Hannover die höchste Kontrolldichte im Öffentlichen Nahverkehr hat." Und bei Schwarzfahrern beträgt die Aufklärungsquote naturgemäß Hundert Prozent. Erwischt ist eben erwischt.

"Wir schreiben die Statistik ja nicht selber, wir tragen sie nur vor", sagt auch Wolfgang Schäuble. Der Bundesinnenminister begibt sich deshalb gar nicht erst in die Tiefen der Tabellen, beschränkt sich stattdessen auf die großen Trends: 2,7 Prozent weniger Straftaten als im Jahr 2007, bei leicht gesunkener Aufklärungsquote, aber zunehmender Anzeigebereitschaft.

Mit fast 40 Prozent aller Straftaten steht Diebstahl weiterhin an der Spitze der Delikte, auch wenn die Zahl der Diebstähle seit 1993 fast jedes Jahr gesunken ist.

Die registrierte Gewaltkriminalität ist erstmals seit 1999 zurückgegangen, um 3,2 Prozent auf 210.880 Fälle. Im Bereich Jugendgewalt betrug der Rückgang sogar mehr als fünf Prozent. Schäuble gibt sich optimistisch: "Der Rückgang der Fallzahlen gibt Hoffnung auf eine Trendwende."

Rekordzuwächse verzeichnet der Betrug mit gestohlenen Kredit- und EC-Kartendaten. Das Ausspähen von Zahlungskarten, mit denen Karten-Dubletten angefertigt werden, das so genannte Skimming, hat um 105 Prozent auf etwas über 10.000 Fälle zugenommen.

Frankfurt am Main ist immer noch die Stadt mit der höchsten Kriminalität in Deutschland. Mit 15.976 Straftaten pro 100.000 Einwohnern lag die hessische Metropole im vergangenen Jahr erneut an der Spitze der Statistik, bedingt auch durch Fälle am Flughafen wie Schmuggel oder illegale Einreise.

Gefundenes Fressen für die Gegner der geplanten Internet-Sperren dürfte sein, dass Besitz und Beschaffung von Kinderpornografie laut Bericht um 24 Prozent auf 6707 Fälle abgenommen haben. Das passt so gar nicht zum umstrittenen Gesetzentwurf, in dem es heißt, "die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet seit Jahren einen konstanten Anstieg beim Besitz, der Beschaffung und Verbreitung von Kinderpornographie." Aber man muss bei der Interpretation dieser Zahlen ja sehr vorsichtig sein.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  15 | 6 | 2009
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