Es sei problematisch, Links- und Rechtsextremismus permanent in einem Atemzug zu nennen, warnt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) im Interview - und findet es dennoch richtig, das Führungspersonal der Linken zu überwachen.
Jung und stramm konservativ - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Foto: imago
Frau Schröder, gefährdet Gregor Gysi die freiheitlich demokratische Grundordnung?
Es ist unbestritten, dass es innerhalb der Partei Die Linke auch extremistische Bestrebungen gibt.
Nein. Ich halte es aber für nachvollziehbar, dass der Verfassungsschutz auch die Führungsleute im Blick behält, um zu prüfen, ob sich die Bestrebungen durchsetzen.
Halten Sie es für vertretbar, Bundestagsabgeordnete nachrichtendienstlich zu überwachen?
Es ist der Auftrag des Verfassungsschutzes, extremistische Bestrebungen zu beobachten. Das gilt für alle Parteien. Allein die Tatsache, dass eine Partei im Parlament vertreten ist, enthebt sie nicht dieser Kontrolle. Ob es angebracht ist, Abgeordnete mit nachrichtendienstlichen Mittel zu überwachen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Verfassungsschutz verzichtet meines Wissens darauf − und das finde ich richtig.
Die Bundesjustizministerin nennt die Beobachtung unerträglich, der Innenminister hält sie für richtig. Wer hat recht?
Ich verstehe diesen Streit nicht, schließlich werden die Linke und ihr Vorläufer seit mehr als 16 Jahren beobachtet. Warum also plötzlich so eine Aufregung ? Wenn die Justizministerin gegen eine Überwachung ist, sollte sie auch sagen, wie sie sich eine Alternative vorstellt.
Zur Person
Kristina Schröder, Jahrgang 1977, ist das jüngste Mitglied im Kabinett Merkel und seit vergangenen Sommer Mutter eine Tochter. Die CDU-Politikerin aus Wiesbaden gilt als stramm konservativ und bemüht sich bislang vergeblich, sich in der Familienpolitik aus dem Schatten ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) herauszubewegen.
Entsteht nicht ein fataler Eindruck, wenn Geheimdienste die Linke überwachen, zugleich aber nichts mitkriegen, wenn Neonazis zehn Morde begehen?
Ich finde es problematisch, Linksextremismus und Rechtsextremismus permanent in einem Atemzug zu nennen. Es handelt sich dabei um zwei unterschiedliche Phänomene, die wir nicht vermengen sollten. Ein Untersuchungsausschuss wird jetzt klären, welche Fehler den Sicherheitsbehörden im Zuge der NSU-Mordserie unterlaufen sind. Ich will wissen, ob einzelne schreckliche Fehler zu diesem Versagen geführt haben oder ob es Fehler im System gibt, die wir ganz dringend korrigieren müssen.
Als Familienministerin wollen Sie kein Rollenvorbild sein. Lassen sich Privates und Politik trennen?
Es ist ein Ringen. Ich bin nun mal die erste Bundesministerin, die im Amt Mutter geworden ist. Deshalb verstehe ich das Interesse. Wenn es um die private Seite geht, bin ich aber eisern. Wie mein Mann und ich unser Leben organisieren, wer den Windeleimer runter bringt, geht die Öffentlichkeit nichts an. Die Medien akzeptieren das, jedenfalls laufen mir keine Paparazzi hinterher, wenn ich mit meiner Tochter spazieren gehe. Beruflich habe ich aber sogar die Pflicht, offensiv mit meiner Rolle umzugehen. Wenn ich gefragt werde, ob ich einen bestimmten Termin wahrnehme, bin ich ehrlich und sage: Diesen Sonntag möchte ich mit meiner Tochter verbringen. Wenn ich als Familienministerin mich nicht traue, zu meinen familiären Plichten zu stehen, wie sollte ich das Selbstbewusstsein dazu dann überzeugend anderen Arbeitnehmern empfehlen?
Glauben Sie, dass irgendwann doch eine gesetzliche Frauenquote nötig wird?
Ich hoffe, dass meine Generation zu moderneren Lösungen kommt. Unterschätzen Sie nicht die von mir vorgeschlagene Lösung einer flexiblen Quote. Wenn die Firmen per Gesetz gezwungen sind, sich verbindliche Ziele zu setzen, wie viele Frauen sie in Führungspositionen haben wollen, sorgt das für Transparenz und für einen großen Druck. Meine Flexiquote ist eine Frauenquote 2.0.
Diese Politiker werden bespitzelt
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Diese Politiker werden bespitzelt
Gysis Stellvertreterin an der Fraktionsspitze, Sahra Wagenknecht, steht demnach ebenso unter Beobachtung...
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...wie Fraktionsvorstandsmitglied Jan Korte, der auch Datenschutzbeauftragter der Partei ist.
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Zum Fraktionsvorstand gehört auch Dietmar Bartsch, der im November angekündigt hat, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen.
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Parteichefin Gesine Lötzsch erntete sowohl für ihren Kommunismus-Artikel in der "Jungen Welt", als auch für ihr Glückwunsch-Programm an Fidel Castro massive Kritik bis hin zum Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit. Sie steht ebenso unter Beobachtung wie...
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...ihre Stellvertreterin Halina Wawzyniak, die auch stellvertretende Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag ist.
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Besonders pikant ist die Bespitzelung des Linken-Chefs von Mecklenburg-Pommern Steffen Bockhahn. Der Bundestagsabgeordnete Bockhahn ist Mitglied im Vertrauensgremium des Parlaments - und damit mit zuständig für die Kontrolle der Geheimdienst-Etats.
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Ebenfalls im Visier des Verfassungsschutzes: Katja Kipping, Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales. Kipping ist nur ein prominentes Beispiel dafür, dass unter den Beobachteten mitnichten nur radikale Linke sind.
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Ebenfalls im Fokus der Geheimdienste: Petra Pau. Die Berlinerin ist seit 2006 Vizepräsidentin des Bundestags und macht sich für den Kampf gegen Rechtsextremismus stark.
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Neben den 27 Bundestagsabgeordneten sollen auch elf Landtagsabgeordnete der Linken unter Beobachtung stehen. Thüringens Linkenchef Bodo Ramelow klagt seit Jahren gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Mehrere Gerichte gaben ihm Recht, doch das Bundesverwaltungsgericht erklärte die Bespitzelung Ramelows 2010 für rechtens. Inzwischen hat der einstige Bundestags-Wahlkampfleiter der Linken Verfassungsbeschwerde eingelegt.
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Mehr als ein Drittel der Linken-Bundestagsabgeordneten wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Das berichtet der "Spiegel" - und nennt Namen. Unter den Bespitzelten ist demnach die Spitze der Parteiführung, allen voran Fraktionschef Gregor Gysi, Gründungsvater und graue Eminenz der Partei, der gerade erst seine Kandidatur für die Bundestagswahl 2013 angekündigt hat.
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Wen der Verfassungsschutz vergessen hat
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Wen der Verfassungsschutz vergessen hat
Bild-Chef Kai Diekmann legt sich mit dem Bundespräsidenten an. Will er nach dessen Sturz selbst die Macht übernehmen?
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Lothar Matthäus: Sagte nach den Kokainvorwürfen an Christoph Daum, es sei wichtig, "dass er jetzt eine klare Linie in sein Leben bringt". Setzt sich außerdem für den bayrischen Monarchen Karl-Theodor zu Guttenberg ein. (mit RP Online)
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Papst Benedikt in Thüringen: Will er jetzt auch Deutschland in einen Gottesstaat verwandeln?
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Frankfurts OB Petra Roth stellte den Förderalismus infrage. Zitat: "Wir brauchen keine Bundesländer in dieser Form".
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Angela Merkel ist im Sozialismus aufgewachsen. Wünscht sie sich heimlich die DDR zurück?
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Zottelbär Samson von der Sesamstraße: Fordert in sozialistischer Manier Würstchen für alle.
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CDU-Umstürzler Heiner Geißler auf die Frage, ob er das Unternehmertum abschaffen möchte: "Nicht den Unternehmer. Aber das kapitalistische System".
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Kristina Schröder: Mutter und Ministerin
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Kristina Schröder: Mutter und Ministerin
Die 33-Jährige Kristina Schröder hat vor der Babypause von ihren Amtskolleginnen Ursula von der Leyen und Angela Merkel (links) Zuspruch bekommen. Dennoch sind die politischen Probleme auf ihrem Schreibtisch liegen geblieben. Demnächst will sie ihr Arbeitsprogramm bis zur Bundestagswahl 2013 vorstellen.
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Kristina Schröder hat sich für ihr Mutterglück wenig Zeit genommen und machte nur eine Mini-Babypause. Als Ministerin hat sie keinen Anspruch auf Elternzeit oder Elterngeld.
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Schröder wollte auch während der Babypause wichtige Entscheidungen selbst in die Hand nehmen. Ihr parlamentarischer Staatssekretär Hermann Kues und Bildungsministerin Annette Schavan haben sie vertreten. Ende Juni brachte sie ihre Tochter Lotte Marie zur Welt.
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Im Dezember 2009 löst Köhler Ursula von der Leyen (CDU, rechts) als Familienministerin ab. "Das sind wirklich große Fußstapfen, in die ich da trete", lobt sie ihre Vorgängerin.
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Trotz ihrer jungen Jahre ist Kristina Köhler schon lange im Politikzirkus aktiv. Dieses Bild stammt aus dem Wahlkampf 2002. In diesem Jahr zieht sie als 25-Jährige erstmals in den Bundestag ein.
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Im Duell um das Wiesbadener Direktmandat unterliegt sie allerdings ihrer Dauerrivalin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Auch 2005 hat die Entwicklungshilfeministerin die Nase vorn.
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Richtig spannend wird es 2009. Diesmal ist Kristina Köhler nicht auf der Landesliste abgesichert, der Weg in den Bundestag führt nur über das Direktmandat.
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Tingeln durch den Wahlkreis - hier im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Wiesbaden.
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Am Wahlabend löst sich die Anspannung nur langsam: Köhler mit ihrem Mentor, dem Wiesbadener CDU-Vorsitzenden und Landtagsabgeordneten Horst Klee (CDU, rechts)
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Doch dann ist es geschafft. Mit 40,8 Prozent setzt sich Kristina Köhler deutlich durch - die "rote Heidi" gerät in den Abwärtssog ihrer Partei und erhält nur 32,6 Prozent der Erststimmen in Wiesbaden.
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Köhler kehrt wieder nach Berlin zurück - im November noch als einfache Abgeordnete...
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... kurz darauf schon als Ministerin.
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Bei der Vereidigung durch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).
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Am 12. Februar 2011 heiratete die aufstrebende Politikerin Ole Schröder. Er ist parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. Hier marschiert das Politiker-Paar zum Wiesbadener Standesamt
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Nach zehn Wochen Babypause kehrt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im September 2011 nach Berlin zurück. Vor ihr war noch keine andere Bundesministerin schwanger im Amt.
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Was halten Sie von der Berliner Erklärung, mit der Frauen aller Fraktionen eine gesetzliche Quote fordern?
Ich empfinde sie als Rückenwind für mich. Sie zeigt, dass wir eine gesetzliche Regelung brauchen. Wenn wir als Regierung untätig bleiben, drückt uns vielleicht die EU eine starre Quote auf.
Warum unterschreiben Sie die Erklärung nicht einfach?
Ich könnte es mir einfach machen, die Erklärung unterschreiben und dann Krokodilstränen weinen, weil wir das in der Koalition nicht durchsetzen können. So arbeite ich aber nicht. Ich bin an tragfähigen Lösungen interessiert.
Mit Ausnahme der CSU hält niemand etwas vom Betreuungsgeld. Wieso setzen Sie es am Ende dennoch um?
Ich finde richtig, dass der Staat sich vornimmt, die Eltern bei der Betreuung ihrer ein- und zweijährigen Kinder zu unterstützen − mit einer Sachleistung in Form eines Kitaplatzes oder eben mit einer Barleistung. Die Eltern können dann frei wählen
Dennoch gibt es heftige Kritik.
Es ist richtig, wie Kritiker einwenden, dass es Familien gibt, in denen die Kinder von einer frühen Förderung stark profitieren würden. Das ist allerdings eine Minderheit. Ich lehne es ab, für diese Minderheit die Mehrheit intakter Familien in Haftung zu nehmen.
Das Gespräch führten Katja Tichomirowa und Steffen Hebestreit.