Berlin. Die geplante Auszeichnung des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan mit einem Toleranzpreis ist parteiübergreifend auf Kritik gestoßen. Politiker von Union, SPD und Grünen forderten den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) als Schirmherren des Preises in der "Bild"-Zeitung auf, von der Ehrung mit dem Avicenna-Preis Abstand zu nehmen.
Der nach dem persischen Mediziner und Philosophen Avicenna benannte Preis soll an Menschen und Vereine vergeben werden, die zu einem besseren Verständnis und Zusammenleben zwischen dem Orient und dem Westen beigetragen haben.
Der Preis soll am 10. Mai in Frankfurt am Main erstmals an die Allianz der Zivilisationen verliehen werden, die 2005 auf Initiative der spanischen und türkischen Ministerpräsidenten unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründet wurde.
Als Initiatoren der Allianz sollen Erdogan, der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero und der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan geehrt werden. Der ehemalige portugiesische Staatspräsident Jorge Sampaio soll den Preis als Repräsentant der Initiative entgegennehmen.
Auf Kritik stößt nun die Auszeichnung Erdogans. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte der "Bild", ein Toleranzpreis für Erdogan sei das "völlig falsche Signal". Er habe einen Preis für Intoleranz verdient. Dobrindt forderte Koch auf, der Preisverleihung fernzubleiben. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte, er kenne keinen überzeugenden Grund, Erdogan den Preis zu verleihen.
Die SPD-Europaexpertin Lale Akgün kritisierte, Erdogan sei nicht mal in seinem eigenen Land eine Integrationsfigur. Die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz sagte, zum Stichwort Integration fielen ihr viele Menschen ein, aber Erdogan sei nicht darunter. (afp)
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