Wiesbaden. Die Kritik auch von Unionspolitikern an Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wegen einer angeblichen Preisvergabe an den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan stößt bei Vertretern der Preisstifter auf Unverständnis. Der Avicenna-Preis für wegweisende Initiativen zur interkulturellen Verständigung gehe nicht an Erdogan, sagte das Vorstandsmitglied des Avicenna-Preis e. V, Ulrike Foraci, am Freitag in Wiesbaden.
Foraci ist SPD-Kandidatin für das Europaparlament und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessens. Koch sei außerdem von Amts wegen Schirmherr der Preisverleihung, er vergebe den Preis nicht.
Die Auszeichnung wird erstmals am 10. Mai in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Mit ihr sollen unter anderem Bemühungen gewürdigt werden, die das gegenseitige Verständnis von Orient und Okzident fördern, so der Vorstandschef des Avicenna-Preises, Yasar Bilgin.
Der Preis sei der "Allianz der Zivilisationen"(Alliance of Civilizations/AoC) zuerkannt worden. Sie wurde 2005 auf Anregung der spanischen und türkischen Regierung unter UN-Schirmherrschaft gegründet. Initiatoren waren Erdogan, der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan und Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Die AoC will dazu beitragen, religiöse und soziale Barrieren zu überwinden. Die Ehrung nimmt der AoC-Generalsekretär und frühere portugiesische Staatspräsident Jorge Sampaio entgegen.
In der "Bild"-Zeitung kritisierten am Freitag unter anderem CSU- Generalsekretär Alexander Dobrindt und der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Wolfgang Bosbach, Erdogan werde mit einem Toleranzpreis geehrt. Gleiche Kritik kam auch von SPD- und Grünen-Politikern. Sie verweisen unter anderem auf die Rede Erdogans bei einem Besuch in Köln Anfang 2008. Der türkische Regierungschef hatte damals die in Deutschland lebenden Türken vor einer zu starken Anpassung gewarnt.
Hessens Regierungssprecher Dirk Metz erklärte, der Eindruck, Koch habe die Entscheidung über den Preisträger des Avicenna-Preises getroffen, sei falsch. Das habe eine unabhängige Jury getan. Falsch sei auch der Eindruck, der Ministerpräsident werde die Auszeichnung Erdogan überreichen.
Metz betonte zudem, Koch werde am 10. Mai keine unkritische Laudatio halten. Er werde "deutlich machen, welche Ansprüche sich durch einen solchen Preis an die Allianz und insbesondere an den türkischen Premierminister als einen derer, die die Allianz vor fünf Jahren gegründet haben, richten". (dpa)
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