Es war wieder einmal Hugo Chávez, der wenige Tage nach dem 50. Jahrestag der kubanischen Revolution Spekulationen über den nahen Tod Fidel Castros auslöste. Was der venezolanische Staatschef in seiner wöchentlichen Plauderstunde "Aló Presidente" sagte, klang wie ein Nachruf auf den kubanischen Revolutionsführer: "Wir wissen, dass der Fidel nicht mehr zurückkehrt, der über Straßen und durch Dörfer zog und die Menschen umarmte. Aber er wird in unserer Erinnerung bleiben, er wird immer leben, über seine physische Existenz hinaus." Chávez, engster Verbündeter Kubas, ist gewöhnlich gut informiert über das, was sich im Innersten der Führung in Havanna tut.
Einiges spricht dafür, dass sich der Gesundheitszustand Castros zumindest drastisch verschlechtert hat. In Havanna ist zwar wie üblich kein Sterbenswörtchen über das Befinden des Staatschefs außer Diensten zu hören. Das letzte veröffentlichte Bild des 82-Jährigen stammt vom 13. November, als er den chinesischen Präsidenten Hu Jintao empfing. Das Foto zeigt Castro in seiner berühmten blau-roten Trainingsjacke mit starrem Blick und wächserner Haut.
Dass es schlecht um Castro stehen muss, wurde spätestens am 1. Januar klar, als er auch zu den Revolutionsfeierlichkeiten weder auf Fotos noch auf Video zu sehen war. In der kubanischen Presse erschien lediglich eine 16 Worte knappe Grußbotschaft an das "heldenhafte Volk". Nicht einmal eine seiner "Reflexionen" wurde publiziert. Fast im Wochenrhythmus hatte Castro seit März 2007 in der Parteizeitung Granma ausführlich Stellung zu aktuellen Themen bezogen. Doch die letzte Kolumne erschien am 16. Dezember. Und von den lateinamerikanischen Staatschefs, die in den vergangenen Wochen Havanna besuchten, durfte keiner zu Fidel. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner sagte ihre Visite kurzfristig ab, offiziell wegen eines Schwächeanfalls. Allerdings hatte sie vor der Reise darauf bestanden, Fidel Castro zu sehen.
Der deutsche Kuba-Experte und Castro-Vertraute Heinz Dieterich glaubt zwar nicht, dass Castro bereits tot ist. "Aber es ist zu vermuten, dass er bald stirbt." Das System Castro werde dadurch aber nicht ins Wanken geraten.
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