Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

10. November 2014

Kuba Wirtschaft: Kuba braucht Milliarden

 Von 
Ein Bauer auf seinem Feld außerhalb Havannas. Der Sozialismus hat seine Armut nicht beendet.  Foto: REUTERS

Der lange isolierte Karibikstaat benötigt dringend internationale Investitionen zum Überleben. 246 Projekte haben Wirtschaftsplaner in Havanna für ausländische Beteiligungen ausgeschrieben.

Drucken per Mail

Von der Schweinezuchtfarm bis zum Windpark. Wenn es nach Vorstellung der Regierung von Raúl Castro geht, dann soll die staatlich gelenkte kubanische Wirtschaft mit internationalen Investitionen aufgemöbelt werden. 246 Projekte haben die Wirtschaftsplaner in Havanna für ausländische Beteiligungen ausgeschrieben. Insgesamt acht Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) sollten damit eingeworben werden, erklärte der zuständige Minister für Auslandsinvestitionen, Rodrigo Malmierca, zu Beginn der jüngsten Handels- und Industriemesse FIHAV.

Die Messe ist Kubas wichtigstes Schaufenster. Unternehmen aus 60 Ländern sind mit Ständen auf dem Expocuba-Gelände vertreten, weil sie auf dem letzten kommunistischen Eiland Geschäfte machen wollen. Dazu gehören vor allem die alten und neuen Partner wie China, Russland, Venezuela und Spanien, aber auch Länder wie die Schweiz, Portugal und Ungarn.

Besonderes Interesse an einem Engagement auf der Insel haben offenbar Brasilien und Italien. Sie haben ihre Präsentationen auf der FIHAV dieses Jahr deutlich verstärkt. Im deutschen Pavillon stellen 29 Unternehmen aus. Es sind zumeist mittelständische Firmen aus den Bereichen Maschinenbau, Wasseraufbereitung, Farben und Lacke. Manche Unternehmen sind schon lange in Kuba aktiv, andere sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei, um von der Öffnung der Wirtschaft zu profitieren.

„Das ausländische Kapital soll Kuba helfen"

Denn die Regierung von Castro II. treibt ihren marktwirtschaftlichen Reformkurs weiter voran. Ende März überarbeitete die Nationalversammlung das fast 20 Jahre alte Investitionsgesetz. Demnach können ausländische Geldgeber jetzt in praktisch alle Wirtschaftsbereiche der Insel investieren. Lediglich das Gesundheitswesen, der Bildungsbereich und der Militärsektor bleiben Ausländern verschlossen. Die Sektoren, für die jetzt 246 Projekte ausgeschrieben wurden, sind vor allem die Biotechnologie, Pharmazeutik, erneuerbare Energien, Bau und Landwirtschaft.

„Das ausländische Kapital soll Kuba helfen, große und notwendige Projekte anzuschieben, die zur Entwicklung unserer Wirtschaft notwendig sind“, begründete Minister Malmierca das neue Gesetz. Kuba brauche jedes Jahr „zwei bis zweieinhalb Milliarden Dollar“ an Auslandsinvestitionen. Denn nach Jahrzehnten des Staatsmonopols leidet der Karibikstaat unter maroder Infrastruktur, knappen Devisen und fehlendem Know-how in vielen Sektoren.

Zwar haben die wichtigsten Wirtschaftspartner China, Venezuela und neuerdings auch Brasilien in vielen Bereichen Verbesserungen bringen können. Aber vor allem bei Maschinen und Industrie-Lösungen greifen die Kubaner besonders gerne auf deutsche Partner zurück. Stromgeneratoren, Großantennen und Wasserpumpen gehören zu den Produkten, die Kuba schon seit Jahren vornehmlich aus der Bundesrepublik bezieht.

Das neue Investitionsgesetz, das jetzt den Einstieg internationaler Unternehmen möglich macht, ist Herzstück der Wirtschaftsreformen von Präsident Raúl Castro. Der 83 Jahre alte Staatschef arbeitet seit mehreren Jahren an dem Umbau der kubanischen Volksökonomie von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft. Der klamme Karibikstaat braucht dringend Geld, denn er hängt an Nahrungsmittelimporten aus vielen Staaten und Ölimporten aus dem befreundeten Venezuela.

Unternehmen, die bereits vor Ort sind auf der Insel, mahnen immer wieder eine Verschlankung der Bürokratie an. Auslandsinvestoren beklagen hohe Steuern, komplizierte und zu teure Rekrutierungsbürokratie für Arbeitnehmer und verspätete Zahlungen seitens des kubanischen Staates.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Atomwaffen

Worte der Hoffnung

Von  |
Obama: „Aber wir müssen auch den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Barack Obama spricht erneut von einer Welt ohne Atomwaffen. Er weckt damit Erwartungen, die er selbst nicht erfüllen kann. Doch sein Traum könnte ein Ziel für die Menschheit sein. Mehr...

Israel

Netanjahu auf Kollisionskurs

Benjamin Netanjahu hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann.

Israels Regierungschef hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann. Schlechte Aussichten für einen Siedlungsstopp.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung