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Politik
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14. Oktober 2012

Kubakrise: BND empfahl Militärschlag gegen Kuba

 Von Andreas Förster
Enge Verbündete: Fidel Castro (M.) mit dem sowjetischen Premierminister Nikita Chruschtschow (r.) und seinem Außenminister Raul Roa. Foto: dapd

Geheimdienst veröffentlicht nach 50 Jahren bislang gesperrte Dokumente: Hätte Washington damals so gehandelt, wie es der Chef des Bundesnachrichtendienstes empfohlen hatte, wäre es vielleicht zu einem Dritten Weltkrieg gekommen.

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Der Bundesnachrichtendienst hat in der Kuba-Krise vor 50 Jahren wichtige Informationen über die militärische Aufrüstung des Castro-Regimes durch die Sowjetunion an Bonn und Washington geliefert. Das geht aus jetzt veröffentlichten BND-Dokumenten hervor. Dem Ratschlag vom damaligen BND-Chef Reinhard Gehlen, Kuba durch einen Militärschlag zu annektieren, folgte Washington allerdings nicht – womit ein möglicher dritter Weltkrieg abgewendet werden konnte.

Mitte Oktober 1962 hatten US-Aufklärungsflugzeuge Aufnahmen von im Bau befindlichen Abschussrampen für sowjetische Atomraketen auf Kuba gemacht. In den folgenden zwei Wochen lief ein Verhandlungspoker zwischen Moskau und Washington, der die Welt an den Rand eines globalen militärischen Konflikts brachte. Am Ende einigten sich beide Länder auf eine friedliche Beilegung des Konflikts. Die Enttäuschung darüber äußerte Gehlen am 29. Oktober 1962 in einem Schreiben an Kanzleramtschef Hans Globke.

Der BND änderte seine Einschätzung

Aus den Akten geht unter anderem hervor, wie Gehlen seinerzeit Washington zu einer Annexion Kubas drängte. So forderte der BND-Chef zwischen 1959 und 1961 Washington mehrfach vergeblich auf, die „gefährliche kommunistische Bastion, die zugleich eine vorzügliche Ausgangsbasis für die kommunistische Infiltration Lateinamerikas darstellt, durch raschen Zugriff in den (USA-)Machtbereich einzufügen“.

Der Einfluss Gehlens auf Washington war damals nicht zu unterschätzen, weil der BND der CIA dank seiner Spitzenquellen auf Kuba regelmäßig detaillierte Informationen über die sowjetischen Rüstungslieferungen übermitteln konnte. So erfuhr der BND bereits ab März 1961 Details über Ausbau, Lage und Bestückung der Raketenstellungen. Allerdings ging der Dienst damals noch von der – zunächst richtigen – Einschätzung aus, dass mit diesen Raketen die Insel als „militärische Festung“ mit vorrangig defensivem Charakter ausgebaut werden sollte. Erst im September und Oktober 1962 – also noch vor den US-Aufklärungsflügen – änderte der BND seine Einschätzung, wonach nun nicht mehr nur Abwehrwaffensysteme auf Kuba installiert, sondern auch Raketenstellungen für Angriffe auf die USA errichtet wurden.

BND schützt noch heute Identität von ehemaligen Nazis

In den jetzt veröffentlichten Dokumenten gibt es darüber hinaus Anhaltspunkte dafür, dass der BND über militärische Aktionen gegen Kuba vorab informiert und möglicherweise sogar darin involviert war. So meldete Gehlen bereits am 7. April 1961, zehn Tage vor der fehlgeschlagenen Invasion von Exil-Kubanern und US-Militärkräften in der Schweinebucht, an Bonn: „Innerhalb einer relativ kurzen Frist werden militärische Operationen großen Stils zur Niederwerfung Fidel Castros beginnen.“ Da der Dienst auch unter den in Miami lebenden Exil-Kubanern Quellen führte, liegt die Möglichkeit nahe, dass Pullach die dort wesentlich mitorganisierten Aktionen gegen Kuba unterstützte.

Von ihren Spitzenquellen in Havanna erfuhr der BND im Oktober 1962 ebenfalls, dass Kuba seinerzeit versuchte, auch über deutsche Händler an Waffen zu gelangen. Dazu gehörte laut BND Ernst-Wilhelm Springer, der schon damals ein Informant Pullachs war. Außerdem habe Havanna, so der BND-Bericht vom 26. Oktober 1962, vier ehemalige Offiziere der Waffen-SS als Instrukteure für die kubanischen Streitkräfte rekrutieren können. Deren Identität schützt der BND übrigens noch heute. Der Heimatort der vier Männer ist in den veröffentlichten Akten – 50 Jahre nach ihrer Entstehung – geschwärzt worden.

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