Die geplante Verkürzung des Wehr- und damit wohl des Zivildienstes würde zu "einer erheblichen Einschränkung der sozialen Dienste in Deutschland" führen, fürchtet die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher. Auch andere Verbände warnten im Gespräch mit der FR vor den Folgen der für 2011 geplanten Dienstverkürzung von neun auf sechs Monate.
Wegen der Wehrgerechtigkeit würde dann wohl auch der Zivildienst kürzer. Da die jungen Männer Abitur oder Ausbildung zu festen Terminen beenden, entstünde eine Lücke in der Besetzung der Zivildienststellen, sagte Mascher.
Bereits heute sind nur 73000 der 111500 Zivi-Stellen besetzt, sagte Thomas Niermann, Leiter Soziale Arbeit beim Paritätischen Gesamtverband. Ziehe man von sechs Monaten Ausbildung, Einarbeitung und Urlaub ab, blieben vier Monate Einsatz. "Damit wird in den wichtigsten Bereichen wie Pflege und Rettung die Grenze erreicht, ab der der Einsatz sinnvoll ist." Der Bund müsse das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ausbauen, sagte Niemann: "Erstens durch die Möglichkeit, Zivildienst freiwillig zu verlängern, zweitens durch mehr Geld. Das Interesse am FSJ ist so groß, wir könnten doppelt so viele FSJ-Leistende anstellen."
Auch VdK-Chefin Mascher betont, dass kurzer Zivildienst zum größeren Bedarf an Hilfskräften führe. "Zivis entlasten das Pflegepersonal", sagte sie. "Sie ermöglichen persönliche Zuwendung, wie sie Schwestern in Zeit- und Personalnot kaum leisten können." Mit weniger Zivis heutige Standards zu wahren, werde teuer. "Wenn keiner mehr da ist, der die Zeit zum Füttern von Pflegebedürftigen hat, muss man sie über Magensonden ernähren."
Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Clemens Graf von Waldburg-Zeil, warnte zudem vor häufigen Wechseln der Betreuer von Patienten oder Behinderten. "Zivildienst erlaubt viele Leistungen, die eine hohe Lebensqualität im Alter oder bei Krankheit ermöglichen."
Auch die Hochschulen wären betroffen. "Viele nehmen Studenten nur zum Wintersemester an, viele Studiengänge starten nur im Herbst", sagte Bernhard Scheer, Sprecher der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen. "Wer aber im Juni sechs Monate Dienst antritt, ist im Dezember fertig - und muss acht Monate bis zum Studium überbrücken."
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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