Bundeswehrsoldaten haben am Sonntag in Kundus einen Afghanen erschossen. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, war ein Auto am Ortsausgang mit hohem Tempo auf einen Checkpoint zugefahren, der Fahrer habe trotz Handzeichen und Warnschüssen nicht gestoppt. Soldaten hätten daraufhin das Feuer eröffnet und zwei Insassen verletzt, von denen einer später im Krankenhaus gestorben sei.
Den Angaben zufolge hatten Kräfte der Internationalen Afghanistan-Truppe Isaf nach einer Warnung vor einem Selbstmordattentäter den beweglichen Kontrollpunkt am westlichen Ortsausgang errichtet. Bereits am Freitag war ein Einheimischer in derselben Region von Bundeswehrsoldaten bei einem ähnlichen Zwischenfall an einem Checkpoint durch Schüsse verletzt worden.
Der geheime Nato-Untersuchungsbericht zur Kundus-Affäre bringt einem Spiegel-Bericht zufolge Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weiter in Bedrängnis. Wie das Nachrichtenmagazin berichtete, enthält der bislang nur in Auszügen bekannte Bericht bereits alle Details, die Guttenberg angeblich erst bekannt wurden, nachdem er die Luftangriffe als "militärisch angemessen" bewertet hatte. Erst vier Wochen später änderte er seine Bewertung.
In dem insgesamt rund 500 Seiten starken Dokument, das dem Magazin vorliegt, räumt der deutsche Oberst Georg Klein offen ein, dass er nicht nur die Tanklastwagen habe treffen wollen, sondern auch die Aufständischen. Er argumentierte demnach, dass diese vermutlich das deutsche Feldlager angreifen würden, und erweckte den Eindruck, dass seine Soldaten "Feindberührung" hätten. Gegenüber den Nato-Ermittlern gab Klein laut Spiegel zu, dass er gezielt die Unwahrheit gesagt habe, um sich die US-Luftunterstützung zu sichern.
Der Bundeswehr-Kommandeur in Kundus, Oberst Kai Rohrschneider, plädiert für eine deutliche Verstärkung der Kampftruppen in der Unruheregion. Wünschenswert wären eine weitere Kompanie (mit 150 Soldaten) und "andere Fähigkeiten im Pionierbereich". Rohrschneider erwartet, dass die Aufständischen dann "vor dieser militärischen Präsenz ausweichen".
Die Bundesregierung strebt einen Konsens mit der SPD für das neue Afghanistan-Mandat an. Kanzlerin Angela Merkel sondierte laut Medien im Gespräch mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier Bedingungen für eine Zustimmung. (afp/ddp/dpa)
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