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13. März 2016

Landtagswahlen Baden-Württemberg: Entspannter Amtsinhaber Kretschmann

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Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Spitzenkandidat der Grünen, zeigt im Rathaus in Sigmaringen-Laiz (Baden-Württemberg) seinen Wahlzettel, neben ihm steht seine Ehefrau Gerline.  Foto: dpa

Während eine knappes Wahlergebnis in Baden-Württemberg erwartet wird, gibt sich der Ministerpräsident entspannt. Winfried Kretschmann führt die Beliebtheitsskala haushoch vor der Konkurrenz an. Ob das allein allerdings für eine zweite Amtszeit für den Grünen reicht, ist offen.

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Amtsmüde? Das fehlte noch. Da musste Baden-Württembergs Ministerpräsident aber schief grinsen. Einen Versuch war es wert. „Da steckt wohl die Junge Union dahinter“, vermutete Winfried Kretschmann, als das Gerücht im Ländle gestreut wurde, der 67-jährige grüne Regierungschef höre sowieso zur Hälfte der neuen Amtszeit auf. Also: Wozu ihn wählen?

Selten war eine Landtagswahl im deutschen Südwesten so spannend, selten aber auch erlebte man einen entspannteren Amtsinhaber. Egal, wie es nach der Wahl aussehen würde: „Irgendjemand muss das Land dann ja regieren“, meinte Kretschmann vergnügt. Aber wer? „Die Chancen für Grün-Rot sind realistisch“, sagte er, obwohl sie das immer weniger waren. „Wenn es nicht so kommt, dann muss man bei CDU, SPD, FDP und Grünen grundsätzlich offen sein, sondieren und schauen, mit wem was geht.“

Über Wochen hatten sich Kretschmanns Grüne ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU des Spitzenkandidaten Guido Wolf geliefert, zum Schluss eine Nasenspitze vor der Union. Einer CDU, die bis 2011 genau 58 Jahre regiert hatte und dann mit Ministerpräsident Stefan Mappus unter die Räder kam: Der umstrittene Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs zum tiefer gelegten Stuttgart 21, das Auftauchen von Wutbürgern und die Atomkatastrophe in Fukushima brachten die Grünen an die Macht.

Eine politische Sensation, eine historische Anomalie, wenn man der CDU glauben durfte, die alles daransetzte, die Verhältnisse wieder zurechtzurücken. Lange Zeit sah es auch so aus, als hätte Kretschmann mit den Grünen keine zweite Chance. Vor allem, weil sein Juniorpartner SPD mit Superminister Nils Schmid (Finanzen und Wirtschaft) in Umfragen dramatisch wegsackte.

Doch dann brach auch die CDU ein, verlor im großen Streit um die richtige Flüchtlingspolitik Zuspruch, weil Spitzenkandidat Wolf hin und her hüpfte zwischen den Gegenpolen Horst Seehofer und Angela Merkel, während Kretschmann durch sein Land reiste und allen kundtat, er bete jetzt jede Nacht für Angela Merkel, weil er ihre Politik für die richtige halte. Nur Europa könne das Problem bewältigen.

Hätte es eine Direktwahl in Baden-Württemberg gegeben, CDU-Mann Wolf hätte sich den Wahlkampf sparen können. Alle anderen Bewerber von SPD bis AfD auch. In Beliebtheitsumfragen rangierte der frühere Bio- und Chemielehrer Kretschmann haushoch vor der Konkurrenz. Kretschmann hat sich über die Jahre enorme Popularität erworben. Sie reicht von Grünen ins christdemokratische Lager, was einerseits an Kretschmanns bunter Vita liegt. Andererseits daran, dass er für viele auch ein wahrhafter Konservativer ist, lebensnah, pragmatisch und glaubwürdig, authentischer als CDU-Herausforderer Wolf.

1980 zog Kretschmann mit den Grünen in den Landtag ein, da war sein Superminister Schmid Erstklässler. Kein Mensch hätte jemals erwartet, dass der einst ultralinke Student, der später als Lehrer unter den Radikalenerlass fiel, es bis an die Spitze des Landes schaffen würde. Heute ist er Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken, ist Mitglied im Schützenverein. Werte wie Familie und Beständigkeit sind wichtig für ihn. Seit 40 Jahren ist er mit der Grundschullehrerin Gerlinde verheiratet, sie haben drei Kinder. Ab Montag, so viel ließ Kretschmann wissen, gehe irgendein Leben weiter.

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