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Politik
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14. März 2016

Landtagswahlen: Die AfD gibt sich ganz zahm

 Von 
Angekommen: AfD-Chefin Frauke Petry mit Kollegen auf der Berliner Bundespressekonferenz.  Foto: AFP

Die "Alternative für Deutschland" habe die Menschen wieder an die Wahlurnen gebracht, freut sich Parteivorsitzende Frauke Petry, die nach den Landtagswahlen weitgehend auf AfD-typische Polemik verzichtet. Von den Medien erwartet sie "einen etwas unideologischeren Ansatz".

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Frauke Petry ist Frühaufsteherin. Trotzdem hat sie am Morgen nach dem dreifachen Wahlsieg ihrer Partei verschlafen ... Nein, behauptet ihr Sprecher. Die AfD-Vorsitzende habe die Verabredung mit dem ZDF um 8.30 Uhr „in ihrem Kalender übersehen“. Ein ideales Thema für eine Twitter-Diskussion. Aber egal, ob mehr Schlaf oder nicht – zum Rendezvous mit der Bundespressekonferenz am Mittag erscheint Petry etwas blass um die Nase, aber bestens aufgelegt. Sie kann gegenüber der Versammlung im Pressehaus am Berliner Schiffbauerdamm gar nicht oft genug hervorheben, dass die AfD die Menschen wieder an die Urnen gebracht habe.

Sogar ihre unterschwelligen Aggressionen gegen Fragen und Frager, die ihr auf die Nerven gehen, hat die Parteichefin an diesem Tag im Griff, meistens. Nur als einer der Hauptstadtkorrespondenten sie auf den Begriff „Lügenpresse“ anspricht, pampt sie zurück: „Wir erwarten in Zukunft einen etwas unideologischeren Ansatz Ihrer Fragestellungen bei der AfD.“ Ansonsten setzt sie ihr typisches kühles Lächeln, antwortet nicht immer präzise, aber kurz. Zum Kontrast hat Petry neben drei Mitstreitern auch noch Partei-Vize Alexander Gauland mitgebracht, den Nestor der Partei, dessen Markenzeichen ein dauerhaftes Nichtlächeln ist.

Gauland: "Partei der kleinen Leute"

Frauke Petry bleibt gegenüber der Hauptstadtpresse keine Antwort schuldig – bis auf die nach ihrem Verhältnis zum französischen Front National und dessen Vorsitzenden Marine LePen. Jörg Meuthen – Ersatzmann für den ausgetretenen AfD-Gründer Bernd Lucke – übernimmt von der Chefin: Die französische Partei sei nationalistisch und sozialistisch – zwei Begriffe, die die AfD sich nicht auf die Fahnen schreiben werde. Eine Formulierung, mit der Petry in Zukunft noch konfrontiert werden dürfte. Meuthen präsentiert sich in Berlin nicht weniger wortgewandt als Lucke, aber erheblich verbindlicher als sein Vorgänger. Die AfD sei eine „neue konservative, freiheitliche, bürgerliche und weltoffen patriotische Kraft“, formuliert er – ohne Luft zu holen. Dem Faden folgen sie nun alle.

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Auch Andre Poggenburg, dem der Ruf vorauseilt, ein politischer Zwilling des Partei-Rechtsaußen Björn Höcke zu sein, der rhetorisch ordentlich zulangen kann, gibt sich zahm. Selbst als Petry von der „Ethnisierung von Gewalt“ spricht und auf Stadtviertel verweist, in die sich die Polizei nicht mehr zu gehen wage, bleibt sie hinter manch anderer AfD-Polemik zurück.

Alexander Gauland verfolgt das Geschehen meist stumm. Nur gelegentlich greift er ein, hebt hervor, dass die AfD in Baden-Württemberg in den sozialen Problembezirken zweier alter Arbeiterstädte besonders gewonnen habe: Mannheim und Pforzheim. Womit die AfD sich als „Partei der kleinen Leute“ bewiesen habe. Ein Begriff, den Lucke stets bekämpft habe.

Und was will die AfD nun anstellen in ihren Parlamenten? Erst Mal Fraktionen bilden, dann sehe man weiter. Am konkretesten wird noch der Mainzer Uwe Junge, der für die Verstärkung der Polizei die Initiative ergreifen will. Und Frauke Petry? Die kann sogar nett sein zu Journalisten. Auf Twitter hat sie sich bei der Taz bedankt. Deren Karikatur zeigt einen gebeugten Mann vor blauem Hintergrund mit der Sprechblase: „Der Scheißhimmel ist AfD-blau.“ Die Stirnwand der Bundespressekonferenz auch.


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