Im Streit um den Vorsitz der nordrhein-westfälischen CDU zeigen sich einmal mehr die tiefen Gräben in dem größten CDU-Landesverband der Bundesrepublik. Der frühere Integrationsminister Armin Laschet gab am Freitag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz seine Kandidatur für den Landesvorsitz bekannt – unterstützt vom Generalsekretär der Partei, Andreas Krautscheid, und vom gerade installierten Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Karl-Josef Laumann.
Den Konkurrenten, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, hatte das Trio angeblich zwar informiert. Ihn erreichte die Nachricht allerdings im Urlaub. Im Röttgen-Lager hieß es, es sei ein anderer Zeitplan vereinbart gewesen.
In der Partei wurde erwartet, dass Röttgen nicht klein beigibt und ebenfalls noch seine Kandidatur erklärt. Die Frist dafür endet am 30. August. Röttgen sei kampfbereit, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger nicht weiter spezifizierte Parteikreise. Vor einer Kampfkandidatur auf dem Parteitag im Herbst könnte es in der NRW-CDU durchaus zu einer Mitgliederbefragung kommen.
Die Truppe um Laschet setzt dabei auf eine Art Heimvorteil des bisherigen Landesministers gegenüber dem Bundesminister Röttgen. Gegen die SPD-geführte Landesregierung könne die CDU nur mit jemandem Erfolg haben, der aus Düsseldorf heraus agiere, sagte Krautscheid. Auch Laumann betonte, es gebe in der Partei eine breite Mehrheit für eine „Landeslösung“.
Inhaltlich sind der 49-jährige Laschet und der 45-jährige Röttgen, die beide auch schwarz-grüne Bündnisse befürworten und als liberal gelten, nicht sehr weit voneinander entfernt. Röttgen hat sich allerdings durch seine Skepsis gegenüber längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke Feinde auf dem Wirtschaftsflügel der Partei gemacht.
Laschet hatte sich auch um den Vorsitz der Landtagsfraktion bemüht, sich aber gegen den Sozialpolitiker Laumann nicht durchsetzen können. Auch Krautscheid waren Ambitionen auf den Landesvorsitz nachgesagt worden. Er sieht in dem Verzicht auf seine Kandidatur wohl eine Möglichkeit, Röttgen zu verhindern.
Krautscheid ergänzte, im Falle einer Wahl Röttgens werde es sehr wahrscheinlich auch einen neuen Generalsekretär geben. „Wir wissen beide, dass das schwierig würde.“ ( mit dpa)
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