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Lauschangriff für 60 000 Dollar

Kolumbiens Geheimdienst hörte jeden ab - wenn das Geld stimmte

Richter, Militärs, Journalisten, Oppositionelle, hohe Beamte in Kolumbien - sie alle sind Opfer eines Abhörskandals, der zurzeit die Regierung erschüttert. Der Geheimdienst DAS hörte ohne richterliche Anordnung tausende Telefonate ab und stellte seine Dienste jedem zur Verfügung, der bezahlen konnte. So berichtet es die Zeitschrift Semana. Obwohl sie sich auf anonyme Quellen innerhalb des DAS beruft, wird der detaillierte Bericht in der Öffentlichkeit als glaubwürdig eingeschätzt.

Außerdem bestätigte Präsident Álvaro Uribe die Vorwürfe gegen den Geheimdienst. Sich selbst nahm er aber aus der Schusslinie. Eine "mafiöse Bande" innerhalb des DAS sei verantwortlich. "Ich selber empfinde mich als Opfer dieser Infamie", sagte der Präsident, dem der einzige zivile Geheimdienst Kolumbiens freilich direkt unterstellt ist.

Uribes politische Gegner bezweifeln, dass der DAS ohne Auftrag von oben die haarsträubende Schnüffelei hätte entfalten können. "Die DAS hat sich zu einer politischen Polizei entwickelt, wie der KGB und die Gestapo", schimpfte Gustavo Petro. Er gilt als Präsidentschaftskandidat der Linken und gehört zu den Belauschten. "Hinter dem Rücken der DAS-Führung und der Casa de Nariño" - dem Sitz des Präsidenten - "hätten all diese Abhöraktionen nicht stattfinden können", sagt Ramiro Bejarano, der früher DAS-Chef war, heute zu Uribes Kritikern gehört und ebenfalls abgehört wurde. Weiteres Opfer: einer der Richter, die die brisante Zusammenarbeit zwischen den Paramilitärs und Politikern aus dem Uribe-Lager untersuchen. Er sei, schreibt Semana, in drei Monaten 1900mal abgehört worden.

Gipfel der Vorwürfe: DAS-Leute hätten ihre Lausch-Dienste gegen Geld auf dem offenen Markt angeboten - an die linke Guerilla, an die rechten Paramilitärs, an die Drogenhändler. Das Magazin nennt Preise: Einen Staatsanwalt einen Monat lang abzuhören kostet bis zu 60 000 Dollar, ein Polizist je nach Rang zwischen 20 000 und 30 000 Dollar.

Ein hoher DAS-Beamter ist zurückgetreten. DAS-Chef Felipe Muñoz ist erst seit dem 22. Januar im Amt; kurz davor sollen DAS-Leute in großem Umfang die Hard-Discs ihrer Computer ausgetauscht und CDs vernichtet haben.

Autor:  WOLFGANG KUNATH
Datum:  25 | 2 | 2009
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