Laut eines Sprechers des libyschen Übergangsrates könnte der Leichnam von Muammar al-Gaddafi bald an seine Familie übergeben werden. Der Bundesnachrichtendienst dementiert indes einen Medienbericht, wonach Gaddafi unter deutscher Mithilfe aufgespürt worden sei.
Vor seiner Festnahme soll sich Muammar Gaddafi in dieser Betonröhre versteckt haben.
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Vor seiner Festnahme soll sich Muammar Gaddafi in dieser Betonröhre versteckt haben.
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Der Leichnam des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi könnte bald an dessen Angehörige übergeben werden. „Seine Familie kann entscheiden, wo und wann sie ihn begraben will“, sagte Ahmed Dschibril, ein Sprecher des Nationalrats, am Samstagabend in Tripolis einem Reporter der BBC. Die Übergabe werde „sehr bald“ erfolgen, fügte er hinzu, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen.
Vertreter des Gaddafa-Stammes hatten bereits Stunden zuvor die Aushändigung der Leichname Gaddafis und seines ebenfalls getöteten Sohnes Mutassim gefordert. Beide waren am letzten Donnerstag in Sirte unter noch nicht geklärten Umständen getötet worden.
Die beiden Leichname waren anschließend nach Misrata gebracht worden, wo sie zuerst obduziert und dann für die Bevölkerung zur Schau gestellt worden waren. Dschibril sagte am Samstag, die Umstände der Tötung Gaddafis, die er als „unglücklich“ bezeichnete, würden vom Übergangsrat noch geprüft.
Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der Ex-Diktator und sein Sohn, der die Leibwache kommandierte, von Milizionären des Übergangsrates nach ihrer Gefangennahme willkürlich erschossen wurden.
Reaktionen auf Gaddafis Tod
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Reaktionen auf Gaddafis Tod
"Ich hoffe, dass die Menschen in Libyen nach Jahrzehnten der Diktatur ein neues demokratisches Kapitel aufschlagen können": Außenminister Guido Westerwelle (FDP).
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Der britische Premierminister David Cameron hat dem libyschen Volk nach der Nachricht vom Tod von Muammar al-Gaddafi weiter Unterstützung zugesagt. Die Menschen in Libyen hätten nun eine noch größere Chance, sich eine Zukunft aufzubauen, sagte Cameron am Donnerstag in London. Dabei werde man mit ihnen zusammenarbeiten und sie unterstützen. „Ich bin stolz auf die Rolle, die Großbritannien dabei gespielt hat“, sagte er mit Blick auf den Sturz des Gaddafi-Regimes. Cameron erinnerte zugleich an dessen Opfer.
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„Sic transit gloria mundi“ - so vergeht der Ruhm der Welt. Mit diesen Worten reagierte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Donnerstag auf die Berichte über den Tod seines einstigen Freundes Muammar Gaddafi. Er fügte hinzu: „Jetzt ist der Krieg vorbei.“.
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Auch der Vorsitzende des Übergangsrates, Mahmud Dschibril, hat den Tod des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi bestätigt. Jetzt sei es an der Zeit, ein neues, einiges Libyen zu schaffen, sagte Dschibril am Donnerstag in Tripolis.
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Die EU sieht „ein Ende der Ära von Gewaltherrschaft und Unterdrückung, unter der das libysche Volk zu lange gelitten hat“. In einer Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vom Donnerstag heißt es: „Heute kann Libyen eine neue Seite in seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische Zukunft beginnen.“
Die politische EU-Spitze forderte den Nationalen Übergangsrat Libyens auf, einen „breit angelegten Prozess der Aussöhnung“ einzuleiten. Dieser müsse sich an alle Libyer richten und einen „demokratischen, friedlichen und transparenten Übergang im Land ermöglichen“.
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Die Grünen hoffen nach Meldungen über den Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi auf ein rasches Ende des Bürgerkrieges in dem nordafrikanischen Land. Zugleich äußerte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck am Donnerstag die Hoffnung, dass „Racheakte von Gaddafis getreuen Schergen“ ausblieben.
Beck bedauerte, dass Gaddafi nicht mehr juristisch belangt werden könne. Es wäre gut gewesen, wenn er sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag für die von ihm verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit hätte verantworten müssen.
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Die SPD hat erleichtert auf Meldungen über den Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi reagiert. „Mit dem Ende Gaddafis ist endgültig der Weg frei für einen politischen Neuanfang in Libyen“, sagte SPD-Fraktionsvize Gernot Erler am Donnerstag in Berlin. „Leider ist mit Gaddafis Tod der Weg für eine juristische Aufarbeitung seiner Verbrechen nicht mehr möglich. Für die Opfer des alten Regimes wäre dies ein wichtiges Signal gewesen“, sagte der SPD-Politiker. Jetzt seien Deutschland und Europa besonders gefragt, dem Land solidarisch zur Seite zu stehen und beim Wiederaufbau zu helfen.
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Eine Handybild aus Sirte zeigt den blutüberströmten Muammar Gaddafi. Weitere Bilder des Getöteten zeigen wir aus Pietätsgründen nicht.
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Hier soll sich Gaddafi versteckt gehalten haben: Eine Betonröhre in Sirte.
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Rebellen vor Gaddafis Unterschlupf.
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Auch Gaddafis Sohn Mutassim soll bei den Gefechten getötet worden. „Wir haben seine Leiche gefunden“, sagte am Donnerstag Mohammed Leith in Sirte. Seine Leiche und die von Gaddafis früherem Verteidigungsminister Abu Baker Junis Dschabir seien mit einem Krankenwagen nach Misrata gebracht worden.
Der 1975 geborene Karrieresoldat und Arzt Mutassim war 2007 zum Chef des nationalen Sicherheitsrates berufen worden. Mutassim galt vor dem Beginn des Aufstandes in Libyen als der stärkste Konkurrent seines Bruders Seif el Islam um die Nachfolge an der Führungsspitze.
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Gaddafi-Gegner feiern auf den Straßen von Sirte.
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Rund acht Monate lang hatten sie gegen Gaddafis Truppen gekämpft.
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In Gaddafis Heimatstadt Sirte kam es bis zuletzt zu Gefechten.
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"Wir verkünden der Welt, dass Gaddafi durch die Hände der Revolution getötet wurde. Das ist ein historischer Moment, es ist das Ende der Tyrannei und der Diktatur": Abdel Hafes Ghoga, Sprecher des libyschen Übergangsrates.
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Gaddafi: Lieblingsdiktator des Westens
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Gaddafi: Lieblingsdiktator des Westens
Achtzig Topmanager fragten beim Kanzler an, ob er sie mitnehmen würde, darunter Siemens, Wintershall, RWE, Bilfinger + Berger und Hochtief. Die Ursache für die Libyen-Begeisterung: Der Beginn des weltweiten Wettlaufs um den libyschen Markt nachdem die EU 2004 die Sanktionen gegen Libyen aufgehoben hatte, da sich das Land vom Terrorismus losgesagt hatte.
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Von besonderem Interesse ist seither das libysche Öl. Hier nimmt der damalige Bundeskanzler eine Ölprobe in der libyschen Wüste, nachdem er eine neue Erdöl-Bohrstelle der BASF-Tochter Wintershall in Betrieb genommen hat. Inzwischen ist Libyen der drittwichtigste Öllieferant für Deutschland.
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Vor Schröder hatte sich bereits der britische Staatschef Tony Blair mit Gaddafi getroffen. 2007 besuchte Blair den Diktator dann in seinem Wüstenzelt - und umarmte Gaddafi freundschaftlich. Der Brite freute sich, ihn verbinde mit Gaddafi "eine vertrauensvolle Beziehung". Ein Vertrauen, das sich auzahlte: Rechtzeitig zu Blairs Besuch konnte BP einen Deal im Wert von 660 Millionen Euro unterzeichnen.
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Noch eine bessere Beziehung zu Gaddafi pflegte der italienische Staatspräsident Silvio Berlusconi. Zwischen den beiden soll sich eine enge Freundschaft entwickelt haben - Berlusconi hat angeblich selbst den Begriff "Bunga Bunga" von Gaddafi übernommen.
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Ergebnis der Männerfreundschaft: Italien erhält begünstigten Zugang zu Öl und Gas, außerdem kooperiert Libyen bei der Eindämmung der illegalen Einwanderung. An Großunternehmen in Italien sind die Libyer stark beteiligt. Sanktionen gegen das Regime Gaddafi lehnt Berlusconi trotz hunderten Toten ab.
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Auch Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bemühte sich intensiv um gute Beziehungen zu Libyens Diktator. 2007 lud Sarkozy den libyschen Machthaber in den Élysée-Palast ein.
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Während Gaddafis Staatsbesuch unterzeichneten die beiden Staaten Wirtschaftsverträge in einer Größenordnung von über zehn Milliarden Euro, darunter auch die Lieferung von Atomreaktoren aus Frankreich nach Libyen. Zudem bestellte Gaddafi 21 Airbus-Flugzeuge.
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Im November 2010 trafen auch Außenminister Gudio Westerwelle (FDP) und Gaddafi beim EU-Afrika-Gipfel in Libyens Hauptstadt Tripolis zusammen.
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Bei dem Treffen verlangten die Europäer eine umfassende Öffnung der afrikanischen Märkte für EU-Exporte.
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Als Gaddafi erstmals 2009 an einem G8-Gipfel teilnahm, ging auch US-Präsident Barack Obama auf den libyschen Machthaber zu. Als erster amerikanischer Präsident schüttelte Obama Gaddafis Hand. Ronald Reagan hatte Gaddafi noch als "verrückt" bezeichnet.
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Während der libyische Diktator zuvor wie ein Paria behandelt wurde, war er nun auch bei den G8-Treffen ein willkommener Gast - der großen Ölvorkommen im Land wegen.
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Der libysche Ex-Machthaber Muammar Gaddafi ist nach Angaben der Übergangsregierung bei der Flucht aus seiner Heimatstadt Sirte tödlich verletzt worden. Zu Lebzeiten und vor dem Umsturz in seinem Land pflegte er beste Beziehungen nach Europa und Amerika. Ein Rückblick auf den einstigen "Lieblingsdiktator des Westens".
Empfang im Beduinenzelt: Im Oktober 2004 reiste Bundeskanzler Schröder als erster Kanzler zu Gaddafi. Schröders Mission war, die deutsch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen zu verbessen - und die deutschen Unternehmen standen Schlange, um mitzukommen.
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Spiegel: BND kannte Aufenthaltsort Gaddafis
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einen Medienbericht dementiert, wonach der frühere libysche Machthaber Muammar el Gaddafi offenbar mit deutscher Hilfe aufgespürt worden sei. Der BND habe „nicht gewusst“, dass sich Gaddafi an dem betreffenden Tag in Sirte aufgehalten habe, sagte BND-Sprecher Dieter Arndt der Nachrichtenagentur AFP in Berlin am Samstagabend.
Der BND sei selbst „überrascht über den Auffindeort“ Gaddafis gewesen, fügte Arndt hinzu. Daher seien auch die Schlussfolgerungen, die das Nachrichtenmagazin aus seinem Bericht ziehe, falsch.
„Der Spiegel“ hatte am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe gemeldet, dem Bundesnachrichtendienst (BND) sei schon seit Wochen der genaue Aufenthaltsort Gaddafis in dessen Heimatstadt Sirte bekannt gewesen. Der BND verfüge traditionell über ein dichtes Quellennetz im Nahen Osten und habe genau gewusst, wo sich Gaddafi vor den Rebellen versteckt hielt, hieß es weiter.
Aus Sicherheitskreisen hieß es laut dem Bericht jedoch, es seien keine Geo-Daten mitgeteilt worden, die zu einem gezielten Angriff auf Gaddafi hätten führen können. Den NATO-Partnern dürfte aber laut „Spiegel“ trotzdem klar gewesen sein, wo Gaddafi sich aufgehalten hatte. Als der Ex-Machthaber schließlich am vergangenen Donnerstag versuchte, aus Sirte zu flüchten, beschossen NATO-Kampfflugzeuge seinen Konvoi.
Auch im Irak-Krieg 2003 hatten deutsche Geheimdienstagenten die USA mit Informationen aus Bagdad versorgt. Als die NATO nach Beginn der Aufstände in Libyen im März begann, Luftschläge gegen Gaddafis Truppen vorzubereiten, enthielten sich die Deutschen im UN-Sicherheitsrat der Stimme. Der „Spiegel“ berichtete nun, ein etwaiger BND-Handel mit Informationen über den monatelang gesuchten Ex-Machthaber könnte geeignet sein, politischen Schaden wiedergutzumachen. (afp/dpa/rtr)