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12. Januar 2011

Linken-Chef Klaus Ernst: Wege zum Kapitalismus

 Von Karl Doemens
Genießt das Leben: Linken-Chef Klaus Ernst. Foto: dapd

Linken-Chef Klaus Ernst gibt den Lebemann: In Zeiten einer Führungskrise seiner Partei, weilt er in den Alpen und sinniert über guten Wein und seinen alten Porsche.

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Das muss man dem Mann lassen: Er hat Nerven und einen guten Geschmack. Seit Monaten mosert die Basis an seinen „drei Gehältern“, an seinem Porsche und der Berghütte herum – und was macht Klaus Ernst? Der Vorsitzende jener Linkspartei, die von einer veritablen Führungskrise durchgeschüttelt wird, lässt sich im Magazin Stern in der Wintersonne vor seinem Refugium in den Alpen fotografieren. Er trägt ein Holzfällerhemd, das an Stephanie zu Guttenberg in Afghanistan erinnert, und philosophiert über „guten Wein, keinen Fusel“.

Besonders ein Roter hat es dem Genießer angetan: „Ein Nero d’Avola aus Sizilien. Unglaublich! Ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das haut Sie um.“ Den letzten Satz könnte mancher Wähler der Linkspartei, der sich gerade auf eine Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes um fünf auf 364 Euro einrichtet, womöglich wörtlich nehmen. „Nicht mal zehn Euro“ kostet laut Ernst nämlich die Flasche. Eine ganze Kiste habe er davon schon leer getrunken, „weil er so gut war“.

Da möchte man gerne zu Gast sein bei dem kantigen Gewerkschafter in Tirol, zumal der knauserige Durchschnitts-Deutsche nach Erhebungen des Deutschen Weininstituts gerade mal 2,42 Euro für einen Liter Rebenplörre ausgibt. Doch davon lässt sich Ernst nicht irritieren: „Ein Entbehrungssozialismus ist mit mir nicht zu machen“, postuliert er: „Ich bin dafür, dass es möglichst vielen Menschen auch so gut geht.“

"Kein Luxus, sondern ein schönes Auto"

Wie genau das funktionieren soll, erläutert er leider nicht. Eine Google-Suche im Internet ergibt 185.000 Treffer für „Klaus Ernst“ und „Mindestlohn“. „Klaus Ernst“ und „Porsche“ bringt 247.000 Fundstellen. „Mein alter Porsche ist kein Luxus, sondern ein schönes Auto“, beharrt der 56-Jährige: „Ich habe ein Leben lang gearbeitet, von meinem Vater ein bisschen was geerbt und mir dann erlaubt, mit dem Geld zu tun, wozu ich Lust habe. Da will ich mir von niemandem reinreden lassen.“

So also redet Ernst über Wege zum Kapitalismus. Er argumentiert, als Linker könne man nicht herumlaufen, „als hätte man drei Tage lang nicht geschlafen, nichts gegessen und auch noch schlecht gesoffen“. Er lobt die Plattenwohnung seiner Ko-Vorsitzenden Gesine Lötzsch: „Ich mag keine Gesellschaft, in der (…) alle die gleichen Normwohnungen haben.“ Er schwärmt von seinem „Traumjob“ – bayerischer Ministerpräsident. Und je weiter man liest, desto zwingender wird der Eindruck, dass entweder der Nero d’Avola wirklich verdammt gut ist. Oder Ernst ein abgefeimter Taktiker: Die Versicherung, der Kommunismus sei „kein Ziel der Linken“, nimmt man ihm sofort ab.

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