Der Streit in der Linken geht weiter, auch wenn die Spitzenkräfte der Partei dies leugnen. "Die Selbstzerlegung findet nicht statt", sagte Willi van Ooyen am Mittwoch fast schon beschwörend. Die "sozialpädagogischen Möglichkeiten, um alle einzubinden" seien in der jungen Partei eben noch "nicht so entwickelt". Will heißen: Wir können uns nicht um alle Spinner kümmern.
Doch der ausgetretene frühere Spitzenkandidat Pit Metz bekräftigt im Gespräch mit der FR seine Kritik: Es sei schon "parteitypisch, sich ständig gegenseitig zu unterstellen, man sei nicht ganz dicht im Kopf", sagt Metz. "Auf Parteitagen stehen sich unterschiedliche Gruppen fast wie Feinde gegenüber." Es würden ständig Ränke geschmiedet, um voraussichtlich "knappe Entscheidungen im Vorfeld zu beeinflussen". Der Umgangsstil sei verheerend, sagt Metz, der seit sieben Jahren im Marburger Stadtparlament sitzt und dem Landesvorstand der Linken angehörte. Manch Neumitglied müsse Fragebogen zur politischen Biographie ausfüllen.
"Das ging in Richtung Gesinnungsprüfung", sagt Metz, "so etwas gehört sich einfach nicht." Es gebe eine giftige Atmosphäre in der Partei - von der geheimen Anfertigung von Gesprächsprotokollen bis zur Infragestellung der Zurechnungsfähigkeit innerparteilicher Gegner. "Wie wollen solche Leute eine gemeinsame Politik entwickeln?", fragt Metz. "Ich habe mich von der Diskussionskultur abgestoßen gefühlt." Die Linke habe es über den parlamentarischen Erfolg versäumt, ihre Partei aufzubauen. "Wenn viele eintreten, ist das erfreulich, aber noch kein Erfolg", sagt Metz. "Man muss auch schauen, wie man die Mitglieder in die Parteiarbeit einbindet."
Eingebunden wurde zum Beispiel Günther Biernoth. Er war Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Marijana Schott, jetzt ist er Direktkandidat der Linkspartei. Doch wie der Politiker, der nebenbei eine Akademie für "Magie und Hexen- und Heidentum" betreibt, mit eingefleischten Marxisten diskutiert, würde man gerne einmal mithören. Seine "Religion" bezeichnet Biernoth auf seiner Internetseite als "heidnisch, keltisch, nordisch" und "freies Wicca" - eine Hexenreligion. Biernoth ist anderen Hexengläubigen unter dem Namen "Ursus" bekannt, hat einen Hexenladen in Sontra, und verkauft dort alles von Zauberstäben über Ritualkelche, Hexenkessel, Runenamulette bis zu Kristallkugeln. Er kennt viele Kräuter und weiß magische Dinge, die auch in der Politik nützlich sein können: "Alles, was Du tust, kommt dreimal zu Dir zurück!"
"Was Menschen in ihrer Freizeit tun, ist ihre Sache", sagt Marijana Schott zum zauberhaften Engagement ihres Mitarbeiters, der am Mittwoch nicht zu erreichen war.. "Das ist ein Hobby". Auch die Parteichefin Ulrike Eifler meint: "Wenn es nicht offen sexistisch, rassistisch oder neoliberal ist, dann ist es seine Privatsache." Doch seine Weltanschauung auch zu politischen Themen veröffentlicht Biernoth regelmäßig im Internet. Dort schrieb er etwa gegen die christlichen Erziehungs-Vorstellungen der ehemaligen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) an und forderte: " Gerade wir als Heiden und Naturreligiöse Menschen müssen offensiv gegen solche Angriffe vorgehen." Biernoth, der Hexer, der in de Landtag will, ist nur ein Beispiel für das skurrile Sammelbecken namens Linkspartei.
Dort gibt es gibt viele Biernoths. Marxistische, friedensbewegte, lebensgebeutelte. Verrückte, kluge und und bestimmt auch sympathische. Aber politisch miteinander völlig inkompatible Menschen. Das ist das große Problem. Es wird die Linkspartei noch lange beschäftigen.
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