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Linkspartei: Lafontaine ausgerissen

Etliche Linke reagieren empört auf den ungebetenen Auftritt des ehemaligen Vorsitzenden als Schatten-Parteichef. Von Jörg Schindler

Unmut in der Partei über Lafontaines Auftritt.
Unmut in der Partei über Lafontaines Auftritt.
Foto: ddp

Berlin. Als das Drama unter der Reichstagskuppel dann zu Ende und der zehnte Bundespräsident dieser Republik gewählt war, blieben etliche verdutzte Linke zurück. Ihre Verwunderung galt allerdings weniger den Vor- und Wahlgängen um Christian Wulff, als einer Person aus den eigenen Reihen, die an diesem Tag das Zepter wie nebenbei an sich gerissen hatte: Oskar Lafontaine. "Ist der jetzt wieder Parteichef?", fragte halb spöttisch, halb besorgt ein Linker am warmen Buffet.

Die Frage ist durchaus berechtigt. Schien Lafontaine doch den ganzen Tag über die Linie der Linken vorzugeben. Schon morgens bei der ersten Beratung hatte der Saarländer wie selbstverständlich vorne beim Vorstand gesessen. Abends dann war er es, der vorschlug, das Abstimmungsverhalten der Linken im dritten Wahlgang freizugeben. So kam es dann auch. Und zwischendurch marschierte Lafontaine - Gregor Gysi und die beiden neuen Parteichefs im Schlepptau - rüber zur SPD, um Bedingungen für eine vielleicht doch noch mögliche Gauck-Wahl auszuhandeln. Zur Erinnerung: Lafontaine ist nicht mehr Partei- und auch nicht mehr Fraktionschef der Linken im Bundestag. Er führt nur noch den Oppositionstrupp im Saarland an.

Mehrere Spitzenlinke reagierten denn auch entsprechend verärgert. Er frage sich schon, welches Mandat zu Verhandlungen Lafontaine eigentlich gehabt habe, fragte einer, der sogleich den Verdacht äußerte, der Ex sei nun so etwas wie ein "Schatten-Parteichef". Eine Mutmaßung, die Fraktionschef Gregor Gysi im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zurückwies. "Ich habe von vornherein darauf bestanden, dass er mitkommt", sagte Gysi. "Das war mir als Geste an die SPD wichtig." Den Sozis habe man demonstrieren wollen, dass Lafontaine "bei uns weiter eine wichtige Rolle spielt".

Lötzsch und Ernst abgemeldet

Ausgerechnet Dietmar Bartsch, nicht eben ein Lafontaine-Freund, sprang Gysi zur Seite. Dessen Teilnahme an dem Gespräch mit der SPD sei "politisch extrem notwendig" gewesen. Wenn überhaupt einer die Linke in letzter Sekunde auf Gauck-Linie hätte bringen können, so Bartsch, dann allenfalls Lafontaine.

Umgekehrt heißt das aber auch: Den beiden neuen Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst traut offenbar keiner ausreichend großen Einfluss zu. Beide hätten während des Wahldramas ohnehin keinen allzu starken Eindruck hinterlassen, kritisieren übereinstimmend mehrere Vorstandsmitglieder.

Während Lötzsch immerhin noch mit einem Last-Minute-Vorschlag - angeblich Klaus Töpfer - in Erscheinung getreten sei, habe man von Klaus Ernst fast nichts gehört. "Die sind angetreten, Vorsitzende zu sein, dann sollen sie es bitteschön auch machen", so ein Spitzenlinker aus dem Osten. Nach dem Mittwoch habe er jedoch den Eindruck, "dass Gregor und Oskar weiterhin meinen, die Partei zu führen".

Ganz folgenlos wird das Lafontaine-Gastspiel in Berlin wohl nicht bleiben. Am Wochenende trifft sich der Parteivorstand zu einer Klausur am Berliner Wannsee. Der aus Linken-Sicht unglückliche Wahltag soll dabei noch einmal zur Sprache kommen. Die Führungsfrage in der Partei auch. Seite 11

Datum:  1 | 7 | 2010
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