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Luftangriffe auf Gaza: Drei Tage - 364 Tote

Bomben auf das Innenministerium und die Universität: Israel fliegt den dritten Tag in Folge Angriffe auf den Gazastreifen. 364 Menschen sterben in den Bombardements, mindestens 1400 werden verletzt.


Foto: rtr

Gaza. Am dritten Tag der israelischen Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen haben sich die Fronten weiter verhärtet. Israel weitete die Angriffe aus und erteilte Forderungen nach einer Waffenruhe eine Absage. Auch ein ranghoher Hamas-Vertreter lehnte Friedensverhandlungen ab. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, Israel führe gegen die palästinensische Organisation einen "Krieg bis zum bitteren Ende". Die Luftangriffe richteten sich nicht gegen das palästinensische Volk, sondern gegen die Hamas, sagte Barak.

Angriffsziele im Gazastreifen waren wichtige Gebäude der Hamas wie die Islamische Universität und ein Haus neben der Residenz des Ministerpräsidenten. Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen stieg nach palästinensischen Angaben auf mindestens 364. Unter den Toten waren demnach acht Kinder unter 17 Jahren. Über 1.400 Menschen wurden seit Samstag bei den rund 320 Luftangriffen verletzt. Ein Sprecher der Hamas-Polizei erklärte, 180 Mitglieder der Sicherheitskräfte seien ums Leben gekommen.

Das Polizeigebäude in Gaza wurde bei israelischen Luftangriffen völlig zerstört.
Das Polizeigebäude in Gaza wurde bei israelischen Luftangriffen völlig zerstört.
Foto: rtr

Barak betonte indes, die Hamas solle gezwungen werden, ihre "feindlichen Aktionen" gegen die israelische Zivilbevölkerung einzustellen. Auch US-Präsident George W. Bush forderte die Hamas zur sofortigen Einstellung des Abfeuerns von Raketen auf Israel auf. Die Hamas müsse einer nachhaltigen und dauerhaften Waffenruhe zustimmen, erklärte sein Sprecher, Gordon Johndroe.

Trotz der Offensive feuerte die Hamas wieder mehr als 40 Raketen auf Israel ab. Ein Geschoss schlug in Aschkelon ein und tötete einen arabischen Arbeiter. Es war das erste Mal, dass es in dieser Stadt ein Todesopfer infolge von Raketenbeschuss gab. Am Abend traf eine Rakete nach Angaben von Rettungskräften in Aschdod, rund 38 Kilometer von der Grenze entfernt, eine Bushaltestelle. Zwei Menschen wurden schwer verletzt.

Abbas verurteilt "durchschlagende israelische Aggression"

Ein führendes Hamas-Mitglied wies die Forderungen nach Verhandlungen mit Israel jedoch zurück und drohte Israel mit Vergeltungsschlägen. Vor jeglichen Verhandlungen müssten die Angriffe eingestellt und die Grenzen geöffnet werden, forderte der stellvertretende Politbüro-Chef Mussa Abu Marsuk im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. "Wir werden uns selbst, unser Land und unsere Bürger verteidigen." Militante Palästinenser hätten nach rechtswidrigen Angriffen Israels das Recht, überall in Israel zurückzuschlagen.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte die Angriffe als "durchschlagende israelische Aggression". Es war die bislang schärfte Reaktion des Fatah-Vorsitzenden seit Beginn der Offensive. Zugleich kündigte er an, er werde seine Rivalen von der Hamas kontaktieren, um ein Ende der blutigen Auseinandersetzungen herbeizuführen.

An der Grenze zum Gazastreifen wurden unterdessen weitere israelische Panzer stationiert, während die Einberufung von 6.500 Reservisten für eine mögliche Bodenoffensive umgesetzt wurde. Israel öffnete aber auch einen Grenzübergang in den Gazastreifen, den bis zum Mittag etwa 40 Lastwagen mit Hilfsgütern passierten, wie ein Militärsprecher mitteilte. Auch Ägypten erlaubte mehreren Lastwagen mit Hilfsgütern die Einfahrt in den Grenzübergang Rafah, wo sie entladen werden sollten. Ägypten nahm auch schwerverletzte Palästinenser aus dem Autonomiegebiet auf. Bei Schusswechseln zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und Palästinensern entlang der Grenze wurde unterdessen ein Soldat erschossen, fünf Sicherheitskräfte und ein acht Jahre altes ägyptisches Kind wurden verletzt.

Weltweit kam es zu Protesten gegen den israelischen Militäreinsatz. Im Libanon folgten zehntausende einem Protestaufruf der schiitischen Hisbollah, in Ägypten und dem Sudan protestierten ebenfalls Tausende. In Athen nahmen mehr als 3.000 Menschen an einer Demonstration vor der israelischen Botschaft teil, 2.000 waren es in Berlin und rund 600 in London.

Merkel verteidigt israelischen Militäreinsatz

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor einer Eskalation des Nahostkonflikts. In einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert waren sich beide einig, dass die Hamas für die Zuspitzung verantwortlich sei, wie Regierungssprecher Thomas Steg sagte. Merkel nannte es laut Steg das legitime Recht Israels, seine Bevölkerung und sein Territorium zu schützen.

Die Türkei stellte ihre Vermittlungsbemühungen zwischen Syrien und Israel ein. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, die Gespräche fortzusetzen, sagte der türkische Außenminister Ali Babacan. Er forderte eine sofortige Waffenruhe und warnte vor einer Eskalation der Gewalt in der ganzen Region. (ap)

Datum:  29 | 12 | 2008
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