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25. Oktober 2012

Lutherpreis Wittenberg: Pussy Riot darf nominiert werden

 Von Marcel Duclaud
"Ein verheerendes Zeichen": Nicht jedem Theologen passt der freizügige Protest der Pussy Riots.  Foto: dapd

Die drei Sängerinnen der Punkband Pussy Riot dürfen doch für den Lutherpreis nominiert werden. Nach hitziger Debatte stimmt der Stadtrat von Wittenberg zu.

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Wittenberg –  

Der Nominierung der drei Punk-Damen von „Pussy Riot“ für den Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ steht nichts mehr im Wege. Wittenbergs Stadtrat hat den Antrag der Allianz der Bürger (AdB), den Nominierungs-Beschluss des Hauptausschusses aufzuheben, mit klarer Mehrheit abgelehnt. Der Antrag ist unzulässig. Das hatte zuvor bereits die Kommunalaufsicht beschieden. Der Hauptausschuss, hieß es, sei zuständig und dessen Beschluss vollzogen - mit der Benachrichtigung der Jury.

Eine inhaltliche Diskussion der hoch umstrittenen Entscheidung, Pussy Riot für einen solchen Preis vorzuschlagen, fiel demnach am Mittwoch ins Wasser. Der Beweis der These von Heiner Friedrich List (AdB), der behauptet, „der Stadtrat hätte niemals eine solche Chaostruppe nominiert“ kann nicht erbracht werden. Zwar bekundeten einige Stadträte ihre Bauchschmerzen, fügten sich aber in die formale Argumentation. Allerdings forderte der Stadtrat der Linken, Horst Dübner, aus Fehlern zu lernen - für künftige Nominierungen.

Muntere Debatte

Seit Wochen wogt die Debatte munter hin und her, ob das „Punkgebet“ in der Christ-Erlöser-Kathedrale von Moskau preiswürdig ist - oder Gotteslästerung. Wittenbergs Propst Siegfried Kasparick spricht von der tiefen Verletzung der Gläubigen in Russland angesichts des Auftritts und von „westlicher Arroganz“. Überregionale Medien berichten, im ZDF-Kulturmagazin Aspekte kam der einstige Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler zu Wort.

Seine Vermutung: Jesus hätte auf Seiten der Musikerinnen gestanden. Eingemischt hat sich nicht zuletzt der prominente Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer. Er redete im Interview von Muschi-Krawall und befand: „Das ist nicht unerschrocken, das ist unverantwortlich.“

Solche Äußerungen riefen Christen aus Jena um Jugendpfarrer Lothar König auf den Plan. Sie werfen der orthodoxen Kirche in Russland ein rückwärtsgewandtes, frauenfeindliches und homophobes Gesellschaftsbild vor und nennen den Auftritt eine „bewusste, mutige Aktion, die Respekt verdient“. Die Punkband sei eine „Ikone der globalen Freiheitsbewegung“, die Nominierung für den mit 10.000 Euro dotierten Preis, den 16 Lutherstädte aller zwei Jahre vergeben, angemessen.

Im Straflager

Das findet ebenso der Bürgerrechtler und Europaabgeordnete von Bündnis 90/Grüne, Werner Schulz. Er schreibt: „Gerade am Ursprung der Reformation sollte das Bewusstsein dafür wachgehalten werden, dass die Kirche ein geeigneter Ort ist, um gegen Unterdrückung, Unfreiheit und Demütigung zu protestieren.“

Pussy Riot hatte sich mit einem Punk-Gebet gegen die Verquickung von Kirche und Politik in Russland gewandt. Der skandalumwitterte Auftritt sorgte weltweit für Aufsehen, es folgten Verhaftung und Verurteilung. Zwei der Musikerinnen sind jetzt im Straflager.

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