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G8-Kritiker: Macht und Moral

Ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften soll beim G8-Gipfel in Deauville Ausschreitungen und Anschläge verhindern. Doch die Globalisierungskritiker, Atomgegner, Menschenrechtler und Gewerkschafter sind derzeit ganz woanders unterwegs.

Größer als die Originale:  der britische Premier David Cameron, US-Präsident Barack Obama, Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der russische Staatschef Dmitri Medwedew, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, Kanadas Premier Stephen Harper und der japanische Regierungschef Naoto Kan (von links) – wie die Aktivisten von Oxfam sie sehen.
Größer als die Originale: der britische Premier David Cameron, US-Präsident Barack Obama, Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der russische Staatschef Dmitri Medwedew, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, Kanadas Premier Stephen Harper und der japanische Regierungschef Naoto Kan (von links) – wie die Aktivisten von Oxfam sie sehen.
Foto: AFP

In Deauville herrscht Ausnahmezustand. Das normannische Seebad erlebt den größten Polizeieinsatz seiner Geschichte. In der Luft kreisen Drohnen, auf dem Meer kreuzen Kriegsschiffe. Rund 12000 Mann sind abgestellt, damit der G8-Gipfel nicht von Ausschreitungen oder Anschlägen überschattet wird.

So umfassend ist das Aufgebot, dass es womöglich gar nicht einschreiten muss. Globalisierungskritiker, Atomgegner, Menschenrechtler und Gewerkschafter haben jedenfalls im Vorfeld des Gipfels angekündigt, ihre Kritik fern vom Tagungsort zu artikulieren – in Caen, Le Havre, Paris oder auch Berlin. „Wir wollen nicht ausgerechnet dahin gehen, wo die repressiven Sicherheitskräfte auf uns warten“, steht im Internet zu lesen. Beim Nato-Gipfel in Straßburg war es 2009 noch zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Die Zusammenkunft in Deauville dürfte friedlicher verlaufen.

Die Gremien

Die Gruppe der größten Industrienationen wurde 1975 von den USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien gegründet. Ziel war zunächst die bessere Abstimmung in der Wirtschaftspolitik. 1976 stieß Kanada hinzu, 1997 Russland.

Die G20 wurde 1999 in Berlin als Forum für Finanzminister und Zentralbank-Präsidenten gegründet. Neben den G8-Staaten gehören die wichtigsten Schwellenländer dazu: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und die Türkei. Außerdem ist die Europäische Union eigenständiges Mitglied. Der Gipfel soll im November in Cannes stattfinden. (dapd)

35 Gruppen und Verbände haben am vergangenen Wochenende im benachbarten Le Havre gegen den G8-Gipfel protestiert.

„Marionetten der Hochfinanz“

Rund 7000 Demonstranten zogen durch verwaiste Straßen, vorbei an geschlossenen Geschäften und heruntergelassenen Rollläden, schmähten die Politiker als „Marionetten der Hochfinanz“, beklagten, dass den Tunesiern nicht die vom gestürzten Präsidenten Ben Ali zur persönlichen Bereicherung gemachten Schulden erlassen würden. Anders als von Anwohnern befürchtet, verlief die Kundgebung friedlich.

Aus Paris hat sich Stéphane Hessel zu Wort gemeldet. Aus Sicht des ehemaligen Résistance-Kämpfers, der mit 93 Jahren noch immer aufbegehrt gegen Unrecht und Unterdrückung und mit seiner Streitschrift „Empört euch!“ Anfang des Jahres wochenlang die Bestsellerlisten anführte, sparen die G8 in Deauville die wirklich wichtigen Themen aus.

Man müsste die fehlende moralische Ausrichtung der Macht offenlegen und dagegen vorgehen, fordert Hessel. Zumal die multinationalen Konzerne hätten mit Moral überhaupt nichts im Sinn, beklagt der Überlebende des KZ Buchenwald und Mitverfasser der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen.

Thierry de Montbrial, Direktor des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen, stellt gar die Institution infrage. „Mit dem wachsenden Einfluss der G20, denen neben den G8 die aufstrebenden Länder der Erde angehören und die 85 Prozent des weltweiten Wohlstands erwirtschaften, stellt sich ganz klar das Problem der Legitimität und Effektivität der G8“, sagt er.

Aurélie Trouvé, Co-Vorsitzende von Attac, hat den Blick bereits auf den im November in Cannes anberaumten G20-Gipfel gerichtet. Dort werde es wirklich zur Sache gehen, gibt sie zu verstehen.

Autor:  Axel Veiel
Datum:  25 | 5 | 2011
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