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31. Januar 2013

Mali: Frankreich setzt Vormarsch in Mali fort

 Von Tom Schimmeck
Französische Truppen auf dem Flughafen von Timbuktu. Foto: AFP

Französisch-malische Truppen rücken in Kidal im Norden Malis ein. Frankreichs Präsident François Hollande sieht den Sieg in Mali in greifbarer Nähe. Es mehren sich die Anzeichen, dass das Land sich allmählich zurückziehen will.

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Französisch-malische Truppen rücken in Kidal im Norden Malis ein. Frankreichs Präsident François Hollande sieht den Sieg in Mali in greifbarer Nähe. Es mehren sich die Anzeichen, dass das Land sich allmählich zurückziehen will.

Bamako –  

„Sie spielen wieder Musik“, erzählen Angehörige, die mit ihren Familien in der Stadt Timbuktu Telefonkontakt halten. „Sie sind sehr glücklich, wieder frei zu sein. Nur das Essen ist knapp.“ Auch Journalisten, die bei den französischen Truppen mitreisen, berichten von Szenen großer Freude beim Einrollen französischer und malischer Truppen, von spontanen Feiern und Frauen, die ihren Schleier abwerfen. Die Islamisten leisteten auch hier keinen Widerstand. „Heute ist der Tag der Freiheit, die kostbarste Sache der Welt“, sagte ein Einwohner Timbuktus auf Radio France International.

Wandel einer islamischen Gruppe

Am Mittwoch rückten französisch-malische Einheiten auch in Kidal im Norden ein. Ein Sandsturm verhinderte jedoch zunächst die vollständige Übernahme der Kontrolle. Die Islamische Bewegung von Azawad (MIA) unter Führung des Tuareg Alghabass Ag Intalla hatte bis dato in Kidal das Sagen. Vor einer Woche hatte sie sich von Ansar Dine abgespalten und „Extremismus und Terrorismus“ abgeschworen. Die MIA versucht nun offenbar, mit einem politischen Tauschhandel ins Geschäft zu kommen. Nur wenn malische Soldaten und Ecowas-Truppen der Region Kidal fernblieben, sei man bereit, eine Lösung des Konflikts zu unterstützen. MIA-Anführer Ag Intalla und seine Getreuen hatten in Burkina Faso in den letzten Monaten vergeblich versucht, mit Vertretern der malischen Übergangsregierung und der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas eine friedliche Lösung auszuhandeln.

Unterdessen mehren sich die Anzeichen, dass Frankreich sich bald drei Wochen nach Beginn seiner Offensive allmählich zurückziehen will. „Wir sind auf dem Weg zum Sieg“, erklärte Präsident François Hollande. Frankreichs Luftwaffe hat seit dem 11. Januar zahlreiche Städte und Islamisten-Stellungen mit Kampfjets bombardiert.

Der Einsatz gegen die Rebellen in Mali und die deutsche Militärhilfe dafür werden im Bundestag von einer breiten Mehrheit getragen. Alle Fraktionen außer der Linken stellten sich am Mittwoch dahinter. Die Bundeswehr unterstützt die Intervention mit Transall-Flugzeugen für den Truppen-Transport. An der logistischen Hilfe sollen sich bis zu 75 Soldaten in den Maschinen und am Stützpunkt im Senegal beteiligen.

Bundeswehr soll Malier ausbilden

Deutschland wird zudem voraussichtlich bis zu 40 Soldaten für eine EU-Mission zur Ausbildung malischer Soldaten entsenden. Hinzu kommen 15 Millionen Euro Finanzhilfe für Einsatz und Ausrüstung afrikanischer Soldaten. Über die Ausbildungsmission will die Bundesregierung den Bundestag im Februar abstimmen lassen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) kündigt zudem in der Süddeutschen Zeitung an, französische Jets betanken zu wollen. Vor einigen Tagen hatte Frankreich Deutschland um Hilfe bei der Betankung seiner Flugzeuge gebeten. Auch dafür wäre ein Bundestagsmandat notwendig. Der Einsatz soll Anfang März beginnen.

Den in Mali Stellung beziehenden Truppen der Ecowas und des Tschad, die am Ende etwa 8 000 Soldaten umfassen sollen, fällt nun vorerst die Aufgabe zu, das eroberte Terrain zu sichern und den Wüstenkrieg in den endlosen Weiten des Nordens fortzuführen, in die sich die Dschihadisten zurückgezogen haben. „Es ist Sache der Afrikaner, Mali zu ermöglichen, seine territoriale Integrität wiederherzustellen“, sagt Hollande. Er will kommenden Mittwoch Kanzlerin Merkel in Paris treffen. (mit dpa, AFP)

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