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Managergehälter: Wulff macht den Sinn

Niedersachsens Ministerpräsident vergleicht Kritik an Managergehältern mit Pogromstimmung und muss sich entschuldigen. Von Jörg Schindler

Christian Wulff, sonst als Polit-Profi bekannt, hat sich verbal schwer vergriffen.
Christian Wulff, sonst als Polit-Profi bekannt, hat sich verbal schwer vergriffen.
Foto: ddp

Die Einsicht kam spät. Einigermaßen zerknirscht ließ Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff am Freitag erklären: "Die Verwendung des Wortes Pogromstimmung bedauere ich." Er wisse natürlich, so der CDU-Mann, dass nichts "mit den schrecklichen Pogromen gegen die Juden verglichen werden" könne. Der Haken dabei: Tags zuvor wusste er das offenbar noch nicht. Deswegen hat er nun auch Rücktrittsforderungen an der Backe.

Es war am Donnerstag, die N24-Sendung Studio Friedman war reichlich fortgeschritten, als sich Christian Wulff auf Geheiß des Moderators zu "unangemessen hohen" Managergehältern äußern sollte. Nach kurzem Zögern sprach der 49-Jährige von einer Neiddebatte und befand forsch: "Ich finde, wenn jemand 40 Millionen Steuern zahlt und Zehntausende Jobs sichert, dann muss sich gegen den hier nicht eine Pogromstimmung entwickeln."

"Meinen Sie das ernst?", fragte daraufhin mehrfach Moderator Michel Friedman. Auch Co-Studiogast Renate Künast (Grüne) wies den Politkollegen sofort auf dessen Entgleisung hin. Der aber hatte offenbar nichts zurückzunehmen und verteidigte weiter beherzt die "unendlich" aufopferungsvoll arbeitende Managerkaste. Erst am Freitag schien Wulff aufzugehen, was er da gesagt hatte. Da rollte die Empörungslawine schon. "Wulff steht im Fernsehen einem Juden gegenüber und benutzt dieses Vokabular - wie viele Sicherungen müssen da eigentlich durchgebrannt sein?", fragte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, im Gespräch mit der FR und steht damit wohl nicht allein. Ein "unverzeihlicher Fehler" sei das, der mit einer Entschuldigung allein nicht aus der Welt geschaffen sei. "Wulff sollte zurücktreten", so Kramer.

Verblüfft äußerte sich der Generalsekretär vor allem über den Zeitpunkt von Wulffs Wortwahl. Erst vor zwei Wochen hatte sich der so genannte Wirtschaftsweise Hans-Werner Sinn öffentlich entschuldigen müssen. In jeder Krise würden Sündenböcke gesucht, hatte Sinn zuvor gewettert - 1929 habe es "in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". In den Tagen darauf war es ausgerechnet die CDU gewesen, die der Partei Die Linke mit harschen Worten Antisemitismus vorgeworfen hatte. Eine überparteiliche Resolution zum 70. Jahrestag der Novemberpogrome war am Widerstand der Union gescheitert. "Erst kehrt die CDU den Saubermann raus und dann missbraucht ihr Ministerpräsident vorsätzlich den Begriff Pogrom - das ist unglaublich", so Kramer.

Der Fraktionsvize der Linken, Bodo Ramelow sagte der FR: "Da hat der nette Schwiegersohn Wulff mal sein wahres Gesicht gezeigt." Wer am Vorabend des 9. November dergleichen sage, sei " instinkt- und geschmacklos". Einen Rücktritt Wulffs würde zwar auch er begrüßen, so Ramelow. Damit sei es aber nicht getan. Das eigentliche Problem sei, dass CDU und CSU "ihre eigene braune Vergangenheit" nicht aufgearbeitet hätten, aber stets mit dem Finger auf andere deuteten.

Autor:  JÖRG SCHINDLER
Datum:  8 | 11 | 2008
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