Somalias radikal-islamische Shabaab-Milizen haben mit dem Anschlag auf ein Hotel bei dem rund 60 Menschen − darunter auch hochrangige Politiker − getötet wurden, ihre Macht weiter ausgebaut. Somalias von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung kontrolliert in der Hauptstadt Mogadischu nur noch wenige Häuserblocks.
Die schwer bewaffneten Extremisten stürmten am Dienstag ein oft von Parlamentariern besuchtes Hotel in Mogadischu und richteten ein Massaker an. Unter den Toten seien sechs Abgeordnete und vier Regierungsmitarbeiter, so Somalias stellvertretender Regierungschef, Abdirahman Hadschi Adab Ibbi. Die weiteren Opfer seien Zivilisten.
Der Anschlag ist der schwerste seit Monaten in Somalia. Das Hotel Mona sei von drei Angreifern, die sich als Regierungsbeamte verkleidet hatten, gestürmt worden, einer davon war mit einer Handgranate bewaffnet, der andere mit einer Schnellschusswaffe, teilte ein Sprecher der Afrikanischen Union (AU) mit. Zeugen berichteten, dass zwei Angreifer, nachdem sie alle Personen im Gebäude erschossen hatten, auf das Dach des Hotels gestiegen seien und sich dort, nachdem sie von Sicherheitskräften umzingelt waren, selbst getötet hätten. Ein dritter sei festgenommen worden. Die Täter gehören demnach den Shabaab-Milizen an.
Seit 1991 herrscht in Somalia Bürgerkrieg. Die derzeitige Regierung in dem ostafrikanischen Land wird von rund 6000 Soldaten der Afrikanischen Union unterstützt. Nur durch die von Uganda und Burundi gestellten Truppen kann sich die Regierung in wenigen Teilen des Landes an der Macht halten. Beim jüngsten Gipfel der Afrikanischen Union vor wenigen Wochen wurde beschlossen, die Mission der AU (Amisom) aufzustocken. Offenbar will sich die Afrikanische Union nicht von den Drohungen der sich zu Al-Kaida bekennenden Milizen einschüchtern lassen. Anhänger der Extremisten hatten während des Finales der Fußballweltmeisterschaft bei zwei Anschlägen in Uganda 76 Menschen getötet. In Somalia waren bei einem Anschlag auf ein Hotel zuletzt im Dezember 2009 über 20 Menschen getötet worden, darunter auch drei Minister.
Am Montag hatten die Milizen eine regelrechte Offensive gegen Amisom-Soldaten gestartet, indem sie Kasernen in mehreren Vierteln Mogadischus angriffen. Es scheint als ob die Islamisten nun zum Endkampf rüsten, um die schwache Regierung zu vertreiben. Bei den Kämpfen zuvor wurden nach Behördenangaben mindestens 29 Zivilisten getötet, fast hundert Menschen wurden verletzt. Die Rebellen erklärten den 6000 AU-Soldaten vor wenigen Wochen den „endgültigen Krieg“.
Der somalische Informationsminister Abdirahman Omar Osman verurteilte den Anschlag. Ihr Ziel sei lediglich, das somalische Volk zu „terrorisieren“. Insbesondere während des islamischen Fastenmonats Ramadan sei der jüngste Anschlag ein „beklagenswerter Akt“. Parlamentspräsident Sharif Hassan Sheikh Aden erklärte, die Rebellen wollten die Bemühungen der Regierung für eine Befriedung des Landes blockieren. Auch die Afrikanische Union verurteilte den Angriff.
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