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Massenprotest: "Atomkraft? Nein danke" ist wieder da

Es ist die größte Anti-Atomkraft-Demo seit über 20 Jahren: 50.000 Menschen protestieren in Berlin gegen Kernenergie und das Endlager in Gorleben. Politiker sind genauso dabei wie ein Schwarzer Block.

Comeback eines Slogans: Atomkraft? Nein Danke! sagen in Berlin 50.000 Teilnehmer einer Großdemonstration gegen Kernenergie.
Comeback eines Slogans: "Atomkraft? Nein Danke!" sagen in Berlin 50.000 Teilnehmer einer Großdemonstration gegen Kernenergie.
Foto: dpa

Berlin. Rund 50.000 Menschen aus ganz Deutschland haben am Samstag in Berlin für einen konsequenten Ausstieg aus der Atomenergie und gegen das Endlager in Gorleben demonstriert. Es war die größte Anti-Atomkraft-Demo seit über 20 Jahren.

Begleitet von einem Treck aus 350 Traktoren zogen die Teilnehmer vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor, wo am Nachmittag eine Kundgebung stattfand. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) unterstützte das Anliegen der Demonstranten.

Teilnehmer des Anti-Atom-Trecks ziehen am Samstag (05.09.09 ) durch
Berlin Mitte.
Teilnehmer des Anti-Atom-Trecks ziehen am Samstag (05.09.09 ) durch Berlin Mitte.
Foto: ddp

Die Demonstration stand unter dem Motto "Mal richtig abschalten - Atomkraft nein Danke". In einer Erklärung zum Abschluss der Veranstaltung hieß es: "Von dieser Demonstration geht ein klares Signal aus." Nach Asse, Krümmel und "dem Gerede von Laufzeitverlängerungen" seien es die Menschen leid, weiter auf den Ausstieg zu warten.

Der Treck mit den 350 Traktoren hatte sich vor gut einer Woche vom niedersächsischen Wendland, wo sich das Endlager Gorleben befindet, nach Berlin aufgemacht. Am Samstagmorgen setzte er sich dann vom Berliner Stadtteil Gatow aus in Richtung Stadtzentrum in Gang, um die Demonstration zu begleiten.

Hunderte gelbe Fahnen mit dem Slogan aus den 80er Jahren "Atomkraft? Nein Danke" wehten über der Menschenmenge, die vom Hauptbahnhof über den Bahnhof Friedrichstraße zum Brandenburger Tor zog. Ein großes Transparent am Spreeufer verkündete: "Es geht wieder los!". Mehrere Demonstranten schleppten außerdem ein rund zwei Meter hohes aufblasbares gelbes Kraftwerk mit sich.

Auf anderen Plakaten standen Sprüche wie: "Kerngesund? Wir sind nicht blind!", "Atomkraft ins Technikmuseum" oder "Den Atomkonzernen den Stecker rausziehen". Viele Teilnehmer waren in grünen und gelben Kostümen angereist, die Atommüllbehälter symbolisieren sollten. Auch ein schwarzer Block hatte sich in die Reihen der Umweltschutzorganisationen und linken Gruppierungen eingereiht.

Auf der Abschlusskundgebung war unter anderem IG-Metall-Chef Berthold Huber vertreten, der per Videoschaltung von einem Aktionstag der Gewerkschaft in Frankfurt am Main zugeschaltet wurde. "Es darf keinen Ausstieg aus den Atomausstieg geben", sagte der Gewerkschaftschef.

Auch der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, forderte einen wirklichen Atomausstieg. Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte er, es solle keine Stimme für Kandidaten geben, die sich für den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken einsetzen.

"Die Botschaft der Zehntausenden an die Bundeskanzlerin und an die Union ist eindeutig", erklärte Gabriel in Berlin. "Hört endlich auf, den verlängerten Arm der Atomindustrie zu spielen." Es dürfe "keine weiteren Milliardengeschenke an die Atomkonzerne durch Laufzeitverlängerung" geben. Das Problem der Endlagerung des Atommülls kann nicht gegen die Bevölkerung und nicht mit noch mehr Atomkraft gelöst werden. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien."

Gegen die "Dinosauriertechnologie

Auch der neue Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, äußerte Sympathie für das Anliegen der Demonstranten. Das Festhalten am Ausstieg sei esenziell für eine zukunftsfähige Energieversorgung, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), erklärte in Berlin: "Die Atomenergie ist von gestern, eine Dinosauriertechnologie, die nicht sicher ist, die unverantwortbar ist." Auch Grüne und Linke hatten die Demonstration unterstützt.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind einer Umfrage zufolge dafür, am Atomausstieg festzuhalten. 59 Prozent der Befragten lehnen die von Union und FDP geforderte Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken ab, wie die von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegebene und am Samstag veröffentlichte Erhebung ergab. Selbst 50 Prozent der CDU/CSU-Wähler und 49 Prozent der FDP-Anhänger sprachen sich in der Umfrage von TNS-Emnid für den Atomausstieg aus. (afp/dpa)

Datum:  5 | 9 | 2009
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