Hannover. Hannover. In Berlin brauchten sie neuneinhalb Stunden um Christian Wulff zum Bundespräsidenten zu wählen. In Hannover nicht mal eine, dann war David McAllister am Donnerstag CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen. Ein 39-Jähriger, derzeit der jüngste MP in Deutschland, außerdem der erste mit zwei Pässen, einem deutschen und einem britischen.
Was sich in Berlin tags zuvor zum Wahlkrimi ausgewachsen hatte, gestaltete sich im Hannover an der Leine reibungslos und mit Zügen von Kindergeburtstag: "Hä? Schminke? Komischer Name", kommentierten Mia und Jamie McAllister, sechs und vier, zwei kleine Damen, die Namen der Abgeordneten, die zur Urne gerufen wurden. "Schwarz? Hä? Heißt der wirklich so?"
Als der Papa dann mit 80 von 148 Stimmen gewählt war und sein altes, von Wulff übernommenes CDU/FDP-Kabinett bestätigte, turnten die beiden Damen am Rednerpult des Landtags herum, fuhren das Mikro rauf und runter, riefen nach Mama Dunja - "Huhuuu!" - und wurden tausendfach fotografiert. Berlin war Krampf, Hannover ein Familienfest. McAllister, einziger Kandidat, fehlten zwar zwei Stimmen aus dem eigenen Lager, doch zwei Stimmen, hieß es bei der anschließenden Feier auf den Landtagsfluren, sei durchaus verkraftbar bei einem Ergebnis von 80 zu 68. McAllister lächelte zu alledem sein Pfadfinderlächeln, dann spielten die Jagdhornbläser aus seiner Heimat Bad Bederkesa auf, der Landtag erfüllte sich mit ernstem Gedröhn, und McAllister sang aus vollem Herzen das Niedersachsenlied mit.
Der 39-Jährige war schon lange eine lange Zeit der Kronprinz von Christian Wulff. Vor acht Jahren hatte der neue Bundespräsident den Aufstrebenden zu seinem Generalsekretär gemacht. Er wurde später Fraktionschef und 2008 nach gewonnener Landtagswahl CDU-Vorsitzender.
Im Gegensatz zu Wullf, der ein vorsichtiger und empfindsamer Mensch ist, stürzte sich McAllister stets gerne und mit Gebrüll ins politische Getümmel. Redeschlachten im Landtag, dafür war er immer zu haben. Wortgewandt und beinhart ging er am liebsten auf alle Linken los, die er zu Kommunisten machte.
Seit klar war, dass er Regierungschef würde, hat er sich schon erkennbar zurückgenommen. In Zukunft zählen ja auch mehr die Taten als die Worte. Unter Wulff war es ein bisschen ruhig geworden, abgesehen von seiner spektakulären Kabinettsumbildung mit einer Muslimin und einer Ostdeutschen.
McAllister wird nacharbeiten müssen, er stimmte seine Regierung schon am Donnerstag ein: Niedersachsen ist hoch verschuldet, das Land muss sparen, muss sich um Schulen und Ausbildung, um Energiepolitik und Integration kümmern. Weniger Bierzelt, mehr Büro also für den rauflustigen "Mac".
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