Berlin. Überlegungen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, für angehende Landärzte den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern, stoßen bei der SPD auf Skepsis. "Dies ist ein plakativer und sehr simpler Vorschlag für ein komplexes Problem", sagte die SPD-Abgeordnete Carola Reimann der Frankfurter Rundschau.
Zwar sei es richtig, die Hürden bei der Zulassung zu senken, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses; "aber das alleine wird nicht ausreichen." Sie warb dafür, die Allgemeinmedizin zu stärken und ihr an den Hochschulen einen höheren Stellenwert einzuräumen.
Insbesondere müsse man daneben der Tatsache Rechnung tragen, dass aktuell knapp zwei Drittel aller Absolventen eines Medizinstudiums Frauen seien und an den Strukturen etwas verändern: "Der Einzelkämpfer in der Praxis mit 60 Wochenstunden kann nicht das Arztbild der Zukunft sein. Es braucht neue Arbeitszeitmodelle und Teamarbeit."
Scharf kritisierte Reimann die Pläne der Koalition, medizinische Versorgungszentren (MVZ) auf den Prüfstand zu stellen. MVZ seien "kein Allheilmittel, aber sicherlich eine Möglichkeit, kooperative Versorgungsstrukturen zu organisieren". Es sei "absolut kontraproduktiv", dass Union und FDP dies jetzt in Frage stellten.
Union unterstützt Rösler
Die Union will die geplanten Maßnahmen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gegen den Ärztemangel in ländlichen Gebieten unterstützen: "Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen". Das sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn der Tageszeitung "Die Welt". Rösler hatte unter anderem vorgeschlagen, den Zugang zum Ärzteberuf durch eine Abschaffung des Numerus Clausus für das Medizinstudium zu erleichtern.
"Auch Menschen mit einer zwei oder drei im Abitur können gute Ärzte werden", betonte Spahn. "Das heißt ja nicht, dass wir gar nicht mehr auf die Note schauen." Aber es müsse auch die Bereitschaft berücksichtigt werden, sich als Hausarzt in unterversorgten Gebieten niederzulassen. Man könnte 20 bis 30 Prozent der Medizinplätze für Bewerber reservieren, die sich verpflichten, danach in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen, schlug Spahn vor.
Rösler, der selbst ausgebildeter Mediziner ist, hatte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt: "Wir haben zwar viele Interessenten, aber nur für jeden Vierten einen Studienplatz, so dass der Numerus clausus mit einem Notendurchschnitt von 1,4 sehr hoch ist." In den kommenden fünf Jahren werden nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung knapp 28.000 niedergelassene Mediziner aus Altersgründen aufhören.
Erheblichen Ärztemangel sieht Rösler vor allem auf dem Land. "Wir haben eine Überversorgung mit Ärzten in Ballungszentren und schon jetzt eine spürbare Unterversorgung im ländlichen Raum." Zudem erreiche in den nächsten Jahren eine große Zahl von Ärzten das Ruhestandsalter. "Deswegen muss jetzt gegengesteuert werden."
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung gab zu bedenken, insgesamt gebe es nicht zu wenig niedergelassene Ärzte, sie seien aber "nicht optimal" verteilt. "Wir haben in überversorgten Gebieten mehr als 20.000 Ärzte zu viel, in unterversorgten Gebieten dagegen etwa 800 Ärzte zu wenig", sagte Verbandsvize Johann-Magnus von Stackelberg.
Seit Jahren bemühen sich unterschiedliche Bundesregierungen, Ärzten eine Tätigkeit außerhalb von Ballungsräumen schmackhaft zu machen. So wurden die Bestimmungen gelockert, Zweitpraxen in der Provinz zu führen. Überdies dürfen die kassenärztlichen Vereinigungen ihre Mitglieder in den ländlichen Regionen besser bezahlen als in den Städten.
Zustimmung zu Röslers Plänen gibt es auch in der Ärzteschaft. Zur Abiturnote müssten weitere Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium hinzukommen, sagte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe der "Welt". So sollten das Engagement im Gesundheitswesen als Pfleger oder Sanitäter und ein Studiengang, der mit der Medizin kompatibel sei, berücksichtigt werden. Das könne etwa Biologie sein, aber auch Philosophie, unterstrich der Ärztepräsident. (mit dpa)
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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