Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin scharf für dessen jüngste Äußerungen zu Ausländern in Deutschland kritisiert. „Die Äußerungen sind vollkommen inakzeptabel“, sagte Merkel am Sonntag in der ARD. Sie seien zudem „ausgrenzend“ und machten „ganze Gruppen verächtlich“, sagte die Kanzlerin. Sarrazin erschwere durch seine Aussagen die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration. „Die Art und Weise, wie hier geredet wird, spaltet die Gesellschaft“, sagte Merkel.
Sarrazin hatte der Welt am Sonntag gesagt: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“
Die Kanzlerin legte der Bundesbank Konsequenzen nahe. Diese sei zwar unabhängig, sagte Merkel. „Ich bin mir aber sicher, dass man auch in der Bundesbank darüber sprechen wird.“ Bei der Notenbank gehe es nicht nur um Geld. Die Bundesbank sei ein Aushängeschild für das ganze Land, sagte Merkel. Sie glaube deshalb, dass die Äußerungen Sarrazins auch in der Bundesbank diskutiert würden. Bisher hatte die Bundesbank Sarrazins Äußerungen als persönliche Meinung bewertet.
Sarrazin hatte mit seinen vielfach als rassistisch eingestuften Aussagen schon vor Merkels Äußerungen einen Sturm der Entrüstung entfacht, auch bei Mitgliedern der Regierung. Am deutlichsten wurde Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Jede Provokation habe ihre Grenzen, sagte der CSU-Politiker. „Diese Grenze hat der Bundesbankvorstand Sarrazin mit dieser ebenso missverständlichen wie unpassenden Äußerung eindeutig überschritten.“ Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte scharf: „Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen.“ ( afp)
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