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Messerattacke: Dresden trauert um Marwa El-Sherbini

Der Botschafter Kairos spricht von einer "verbrecherischen Einzeltat". Der Zentralrat der Muslime fordert: Merkel soll sich entschuldigen.

Weiße Rosen für Marwa El-Sherbini: Auf den Stufen des Dresdner Rathauses dokumentierten Hunderte ihre Trauer.
Weiße Rosen für Marwa El-Sherbini: Auf den Stufen des Dresdner Rathauses dokumentierten Hunderte ihre Trauer.
Foto: dpa

Dresden. Rund 1500 Menschen haben am Samstag in Dresden mit einer Trauerfeier der in einem Gerichtssaal erstochenen Ägypterin Marwa El-Sherbini gedacht. Sie protestierten auch gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nabil Yacoub vom Dresdner Ausländerrat forderte: "Lasst die Saat des Extremismus nicht aufgehen."

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mahnte Konsequenzen an: "Wir müssen dafür sorgen, dass Rechtsextreme und Rassisten verboten werden und keine Chance mehr haben, sich in Parteien zu organisieren." El-Sherbinis Tod verpflichte, noch stärker darauf zu achten, dass ein respektvolles Zusammenleben von Menschen aller Nationen, Hautfarbe und Glaubens möglich sei, so der SPD-Chef am Rande der Veranstaltung.

Viele Teilnehmer legten weiße Rosen "als Zeichen des Respekts vor dem Opfer und für ein friedliches Zusammenleben der Gesellschaft" auf der Rathaustreppe nieder. Auch sächsische Politiker nahmen an der Trauerfeier teil, darunter Justizminister Geert Mackenroth (CDU) und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD).

Ägyptens Botschafter Ramsi Ess Eldin Ramsi sagte, El-Sherbini sei ein Opfer von blindem Hass und Fanatismus geworden, die ihre Quelle in der Ignoranz hätten. Er sprach von einer "verbrecherischen Einzeltat", die nicht die Wirklichkeit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck bringe. "Die deutsche Gesellschaft ist weltoffen, offen für andere Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen." Er erwarte, dass der Täter schnellstens verurteilt, die Familie des Opfers entschädigt werde.

Die 31-Jährige war am 1. Juli bei einer Berufungsverhandlung wegen Beleidigung von dem Angeklagten erstochen worden. Der aus Russland stammende Deutsche hatte die schwangere Zeugin mit 18 Messerstichen getötet und ihren Ehemann verletzt. El-Sherbini hatte den Täter 2008 angezeigt, weil er sie als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft hatte.

Prozess spätestens Anfang 2010

Der 28-Jährige sei schon im ersten Prozess ausländerfeindlich aufgetreten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Christian Avenarius. Vor der Anklageerhebung will die Staatsanwaltschaft keine Details bekanntgeben. Justizminister Mackenroth sagte: "Es wird alles getan, um den Täter so schnell wie möglich vor einen Richter zu stellen." Der Mordprozess werde voraussichtlich Ende 2009 oder Anfang 2010 stattfinden.

Der Zentralrat der Muslime forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein deutliches Signal gegen Islamfeindlichkeit in Deutschland. Sie möge sich "auch bitte direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem Tagesspiegel am Sonntag. (dpa/epd)

Datum:  13 | 7 | 2009
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