Die Staatsmacht in Mexiko kommt gegen die Drogenmafia nicht mehr an. Nur einen Tag nach der Übernahme des Amts von seinem ermordeten Vorgänger ist der neue Polizeichef der nordmexikanischen Kleinstadt Villa Ahumada ebenfalls getötet worden. Der 40-jährige Jesus Blanco Cano war nur 24 Stunden im Amt. Die Region wird von Drogenbanden kontrolliert, Chihuahua gilt als Hochburg des Juarez-Kartells.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Cano erschossen mit verbundenen Augen und gefesselten Händen auf einer Ranch gefunden. Der vorherige Polizeichef, zwei weitere Beamte und drei Bewohner wurden im Mai getötet, als 70 Angreifer die Stadt im Staat Chihuahua stürmten. Der Rest der 20-köpfigen Polizeitruppe quittierte damals aus Angst den Dienst, Soldaten übernahmen ihren Job. Zuletzt waren einige neue Polizisten angeworben worden - die meisten kündigten jetzt nach dem Mord an ihrem neuen Vorgesetzten. Auch andere Städte in Chihuahua leiden unter Polizistenmangel.
In Tijuana nahm die Polizei nach einer filmreifen Verfolgungsjagd den mutmaßlichen Auftragsmörder eines Drogenkartells fest. Die Polizei erklärte, der Verdächtige und ein möglicher Komplize seien in einem Kasino gestellt worden. Der Killer soll für das Kokainkartell Arellano-Felix gearbeitet haben.
Sicherheitsexperten warnen schon lange, Rauschgiftkartelle hätten Polizei, Justiz und Regierungsstellen unterwandert; es sei nicht auszuschließen, dass Abgeordnete sich mit Drogengeld finanzierten. Vor allem vier große Mafia-Gruppen kämpfen um die profitablen Transitrouten vor allem für Kokain in die USA. Nach Erkenntnissen der US-Drogenfahnder kommen 90 Prozent des in den USA konsumierten Kokains über Mexiko ins Land. Zudem liefern die Kartelle tonnenweise Marihuana, Heroin und synthetische Drogen wie Ecstasy.
Seit Mexikos konservativer Präsident Felipe Calderón einseitig auf die Härte der Sicherheitskräfte setzt, ist die Zahl der Todesopfer stark gestiegen. Immer öfter sterben Unbeteiligte, die zwischen die Fronten geraten. Kritiker empfehlen, der Staat müsse nicht nur die bewaffneten Teile der Kartelle ins Visier nehmen, sondern auch die Finanznetze zerstören und die Korruption in Politik, Justiz und Polizei unterbinden. ap
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten
13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.