Das vor einem Jahr eingeführte Benotungssystem für Pflegeheime und Pflegedienste erweist sich immer mehr als hochproblematisch. Der Vorwurf von Kritikern, die im Internet veröffentlichte Bewertung verschleiere die tatsächliche Versorgung der Pflegebedürftigen, lässt sich nun auch anhand bundesweiter Zahlen belegen. Der Ersatzkassenverband vdek hat ermittelt, dass zahlreiche Einrichtungen gute Gesamtnoten bekommen haben, obwohl es bei der eigentlichen Pflege deutliche Missstände gab. Ursache ist, dass zentrale Kriterien wie Ernährung, Trinken oder die Verhinderung des Wundliegens bei der Benotung genauso stark gewichtet werden wie beispielsweise ein hübsches Zimmer.
Bislang ist fast die Hälfte aller Heime und Pflegedienste in Deutschland bewertet worden. Dabei erhielten die ambulanten Dienste eine Durchschnittsnote von 2,1 und die Heime im Durchschnitt die Note 1,9. Dass diese Werte jedoch allein nicht aussagekräftig sind, zeigt die Bewertung der pflegerischen Leistungen. Hier gab es mit 2,8 beziehungsweise 2,1 schlechtere Noten.
Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte, das 100 Millionen Euro teure Prüfsystem produziere „Traumnoten wie am Fließband“. Die „Kuschelkriterien“ verschleierten schwere Pflegemängel. Auch vdek-Vorstandschef Thomas Ballast sprach angesichts der Probleme nur von zufriedenstellenden Ergebnissen. Er forderte, die Benotung zu präzisieren und die Risikokriterien stärker zu berücksichtigen. Ballast zeigte sich aber optimistisch, dass das System im Herbst reformiert wird.
Das ist allerdings offen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen verhandelt seit Monaten mit den Verbänden der Heimträger und ambulanten Pflegedienste über eine Nachbesserung. Die Anbieter sträuben sich dagegen, weil sie auf breiter Front Abwertungen befürchten.
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