Die Eilmeldung erreichte Deutschland am Montagabend, um 19.21 Uhr. "Der deutsche Frachter "Hansa Stavanger" ist rund vier Monate nach der Entführung frei gelassen worden. Ein Sprecher der EU-Operation Atalanta bestätigte am Montag, das Schiff habe am Abend (Ortszeit) nach der Zahlung von Lösegeld seinen Ankerplatz bei der Küstenstadt Haradhere verlassen und fahre Richtung Norden. Das vor rund vier Monaten von somalischen Piraten gekaperte Schiff werde von Kriegsschiffen aus EU-Staaten begleitet."
Bei der Ankunft im Hafen von Mombasa werde ein Team der Reederei die Seeleute empfangen und sich um deren Versorgung und Betreuung kümmern. Danach sollten sie so schnell wie möglich in ihre Heimatländer zurückgeflogen werden, sagte der Geschäftsführer der Reederei, Frank Leonhardt. "Ich habe mich in einem Telefongespräch davon überzeugen können, dass es den Besatzungsmitgliedern den Umständen entsprechend gut geht", sagte Leonhardt weiter.
Die Freilassung der fünf deutschen und 19 ausländischen Geiseln auf dem Anfang April von somalischen Piraten gekaperten Frachter hatte sich im Laufe des Tages angedeutet. Ein Sprecher der Piraten sagte der Presseagentur dpa, einem Auslaufen des 20000 Bruttoregistertonnen schweren Schiffes stehe nichts mehr im Weg, nachdem die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg 2,7 Millionen Dollar Lösegeld bezahlt habe.
Ein Sprecher der europäischen Anti-Piraten-Mission Atalanta bestätigte der Frankfurter Rundschau, dass das Geld am Montagnachmittag mit einem Flugzeug über dem Schiff abgeworfen wurde. Erfahrungsgemäß dauere es noch zehn bis 16 Stunden, bis das Geld gezählt und unter den Piraten aufgeteilt worden sei. Frühestens dann laufe der Frachter aus. Die "Hansa Stavanger" werde von einem unter Atalanta-Kommando fahrenden Schiff beobachtet, sagte der Sprecher.
Über den Gesundheitszustand der Geiseln und die Fahrtauglichkeit des Frachters könnten keine Angaben gemacht werden. Der Hamburger Reeder Frank Leonhardt war wegen seiner angeblich harten Verhandlungstaktik in die öffentliche Kritik geraten. In einem Brief an den Reeder hatten die Ehefrauen der deutschen Seeleute und die Mutter eines ukrainischen Seemanns beklagt, dass die Verhandlungen von der Reederei "verschleppt" und für drei Wochen sogar ganz unterbrochen worden seien. Auch Behörden sollen die "hartleibige" Verhandlungstaktik Leonhardts kritisiert haben.
Die Seeleute, die mit ihren Angehörigen immer wieder telefonieren konnten, hatten mit zunehmend widrigen Bedingungen zu tun. Zeitweise sei auf dem Schiff das Essen ausgegangen, die gesamte Crew sei krank geworden. Die Piraten hätten die Besatzung zunehmend terrorisiert. Einmal hätten die Seeräuber sogar Exekutionen vorgespielt, berichteten die Familienangehörigen.
Offenbar hatten sich Piraten und Reeder schon in der vergangenen Woche auf die 2,7 Millionen Dollar Lösegeld geeinigt. Dann hätten die Seeräuber plötzlich mehr Geld gewollt, sich dann aber doch mit der vereinbarten Summe einverstanden erklärt. (mit dpa)
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