Bern. In der Schweiz dürfen in Zukunft keine Minarette mehr gebaut werden. Mit der Mehrheit von 57,5 Prozent nahmen die Schweizer bei einer Volksabstimmung am Sonntag einen entsprechenden Antrag national-konservativer Kräfte an, berichtetet das Schweizer Fernsehen. Das Ergebnis kam für die meisten Parteien sowie die Regierung völlig überraschend. Die Wahlbeteiligung war mit rund 54 Prozent unerwartet hoch.
Letzte Umfragen waren noch von einer Absage der Forderung nach dem Bauverbot ausgegangen. Demoskopen machten die hohe Stimmbeteiligung und die wachsende Sorge der Bevölkerung vor einem militanten Islam für den Stimmungsumschwung verantwortlich. Dazu gehöre auch die Diskussion um zwei seit Monaten in Libyen festgehaltene Schweizer Geschäftsleute.
Die Abstimmungsvorlage kam zustande, nachdem eine Gruppe um die national-konservative Schweizerische Volkspartei (SVP) die notwendigen Unterschriften zusammengebracht hatte. Zuvor waren weitere Bauanträge für Minarette an bisher unscheinbaren islamischen Gebetshäuser eingereicht worden. In der Schweiz, wo etwa 400.000 Muslime leben, gibt es derzeit vier Minarette.
Besonders die Regierung hatte sich gegen die Vorlage ausgesprochen, weil sie bei einer Annahme Folgen für das Verhältnis zur arabischen Welt oder gar Terroranschläge fürchtet. Die Wahlbeteiligung an diesem Sonntag wurde jedoch als hoch bezeichnet. Ein Stimmungswechsel zugunsten der Vorlage wurde deswegen nicht ausgeschlossen. (dpa/rtr)
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