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Ausnahmezustand in Peru: Wenn der Gold-Segen zum Fluch wird

Gold-und Kupferminen sind der Motor der peruanischen Wirtschaft, Jahr für Jahr spülen sie Milliarden in die Staatskassen. Die Bevölkerung wehrt sich trotzdem gegen den Ausbau einer Goldmine. Sie fürchtet den Verlust von etwas Wertvollerem.

Die Conga-Mine spaltet Peru.
Die Conga-Mine spaltet Peru.
Foto: REUTERS

Wenn Peruaner protestieren, dann tun sie das richtig. Eine Menge aufgebrachter Lehrer droht korrupten Vorgesetzten dann schon mal mit Schlägen, und auf Demonstrationen sind es mitunter die Polizisten, die sich am meisten fürchten.

Wenn Demonstrieren der Volkssport ist, dann feiert Peru gerade die Meisterschaften: Bis zu 20.000 Demonstranten waren im Norden des Landes auf der Straße.

Die Wut der Menschen richtet sich gegen den Ausbau einer Goldmiene. Es geht um Investitionen in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar (3,55 Milliarden Euro). Klingt absurd: Gerade der Bergbau hat Perus Wirtschaft in den letzten Jahren traumhafte Wachstumsraten beschert. Besonders die Goldindustrie boomt, weil der Preis sich in den letzten drei Jahren verdoppelt hat. Im Departement Cajamarca wird besonders viel gefördert. Dort liegt die größte Goldmiene des ganzen Kontinents.

Was ist wichtiger, Wasser oder Gold?

Auf dem Land herrscht trotzdem kein Goldrausch, sondern Katerstimmung. Das Projekt verschmutze die Wasserreserven, befürchten Umweltschützer. Laut taz soll das Gold mit giftigem Zyanid aus dem Boden geholt werden, außerdem müssten drei Seen trockengelegt werden. Sie enthalten Wasser, das Kleinbauern und Viehzüchter dringend brauchen - also die, die in Peru am wenigsten vom Aufschwung profitieren.

Seit elf Tagen demonstrieren Tausende gegen das Projekt. Die Menge hat Hauptverkehrsstraßen lahmgelegt und den Nahverkehr in der Provinzstadt Cajamarca. In einem Dorf haben aufgebrachte Bürger vier Angestellte der nationalen Wasserbehörde gezwungen, in Frauenkleidern durchs Dorf zu marschieren.

Humala schlüpft in eine neue Rolle

Nachdem es immer noch keinen Kompromiss gibt, verliert die Regierung in Lima die Geduld. "Die Unversöhnlichkeit von manchen lokalen und regionalen Protestführern hat sich wieder einmal gezeigt", sagte Präsident Ollanta Humala am Sonntag.

Die Regierung habe den Demonstranten unter anderem zugesichert, dass die landwirtschaftliche Nutzung des Wassers oberste Priorität habe. Genutzt hat es genauso wenig wie das Versprechen des Minenbetreibers, die Seen zu verlegen.

Humala sprach bemüht ruhig, trotzdem wählte er das härteste aller Mittel: Er verhängte 60 Tage lang für vier Provinzen den Ausnahmezustand. Der erlaubt den Einsatz der Armee zur Sicherung der Ordnung und schränkt das Demonstrationsrecht ein. Seine Begründung: Die Bevölkerung habe ein Recht darauf, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Wie Boliviens Präsident Morales schlüpft Humala als Vertreter der Staatsmacht in eine neue Rolle. Für ihn ist das brisant - schließlich gewann er die Präsidentschaftswahlen mit dem Versprechen, die Landbevölkerung zu stärken. (mit afp)

Autor:  Jonas Nonnenmann
Datum:  5 | 12 | 2011
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