München. Die Erzdiözese München und Freising verlangt von der oberbayerischen Benediktinerabtei Ettal eine "unnachgiebige Aufklärung" aller Missbrauchsvorwürfe gegen Mönche des Klosters und Mitarbeiter des Internats. "Beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kann es keine Toleranz geben", sagte Generalvikar Peter Beer am späten Mittwochabend in München.
Bei der Aufarbeitung dürfe es nicht nur um jahrzehntelang zurückliegende Vorfälle gehen, die heute kaum mehr strafrechtlich verfolgt werden könnten. "Sondern es muss auch die Frage beantwortet werden, ob gegebenenfalls bis in die jüngste Vergangenheit Verfehlungen begangen wurden und Versäumnisse vorliegen", betonte Beer.
Der Abt des Klosters, Barnabas Bögle, war am Mittwoch auf Drängen des Erzbistums zurückgetreten, weil er 2005 einen Missbrauchsverdacht gegen einen Mönch vertuscht und damit gegen kircheninterne Richtlinien verstoßen hatte. Beer forderte, die Abtei müsse nun feststellen, wie viele Missbrauchsfälle bekannt seien, um welche Art der Verfehlungen es sich konkret gehandelt habe und ob sich das Kloster jeweils an die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche gehalten habe.
Zudem müsse geklärt werden, wie mit Verdächtigen und Tätern verfahren worden sei und ob diese anschließend konsequent von Kindern und Jugendlichen ferngehalten worden seien. "Ein Verschleiern, Vertuschen und auf die lange Bank schieben wäre nicht hinnehmbar", mahnte der Generalvikar. Das Erzbistum fordere vom Kloster "volle Transparenz". Beer fügte hinzu: "Es ist mir bewusst, dass die Aufarbeitung solcher Anschuldigungen ein schmerzhafter Prozess ist. Aber es gibt dazu keine Alternative." (ddp)
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