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Missbrauchs-Ermittler geben auf: "Weitermachen ist sinnlos"

Die belgische Justizbehörde beschlagnahmt fast 500 Opferakten. Nun wirft die Kommission zur Untersuchung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche den Büttel hin.

Der Vorsitzende der Kommission zur Untersuchung sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche in Belgien, Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, wirft den Büttel hin.
Der Vorsitzende der Kommission zur Untersuchung sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche in Belgien, Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, wirft den Büttel hin.
Foto: dpa

Brüssel. Nach der Beschlagnahme von fast 500 Opferakten durch die Justizbehörde haben die Mitglieder einer Kommission für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Belgiens die Arbeit eingestellt. "Weitermachen ist sinnlos", sagte der Vorsitzende der Kommission, Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, am Montag in Brüssel. Offensichtlich halte sich die belgische Staatsanwaltschaft nicht an Absprachen mit der Kommission.

Das Untersuchungsgremium unter der Leitung des renommierten Professors Adriaenssens von der Katholischen Universität Löwen war von der belgischen Bischofskonferenz geschaffen worden, um einen Überblick über den Umfang der Missbrauchsfälle zu erarbeiten. 475 Akten der Kommission wurden am Donnerstag im Rahmen von Hausdurchsuchungen in Bistumsverwaltungen und kirchlichen Einrichtungen beschlagnahmt. Papst Benedikt XVI. verurteilte die Durchsuchungen am Wochenende als "beklagenswert und verwunderlich".

Adriaenssens, der von Justizminister Stefaan De Clerck als "Weltautorität in Sachen Missbrauch" bezeichnet wurde, kritisierte die Beschlagnahmen durch die Staatsanwaltschaft: "Ich dachte, dass es klare Absprachen mit der Justiz gebe. Aber offensichtlich gelten die nicht." Adriaenssens sagte, seine Untersuchungskommission habe sich verpflichtet, keine Vorgänge zu bearbeiten, in denen es um noch heute strafrechtlich relevante Vorfälle gehe. "Daran haben wir uns gehalten. Und dennoch hat man uns alle Akten weggenommen."

Zum Rücktritt der Untersuchungskommission sagte ein Sprecher der belgischen Bischofskonferenz: "Das ist sowohl für die Opfer als auch für die Kirche sehr bedauerlich."

Justizminister De Clerck wies die scharfe Kritik des Papstes an den Hausdurchsuchungen in den Bistumsverwaltungen und Befragungen von Bischöfen zurück. Die Kirche habe das Recht, sich selbst zu organisieren - doch seien Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs Sache der Justiz, sagte der Minister in einer Fernsehdiskussion. Die Bischöfe seien nicht anders als andere Zeugen behandelt worden.

Die belgischen Bischöfe waren nach Angaben von Radio Vatikan neun Stunden lang festgesetzt worden, Mobiltelefone und vertrauliche Unterlagen seien beschlagnahmt und die Gräber von zwei Kardinälen aufgebrochen worden. Gerechtigkeit müsse hergestellt werden, aber im Respekt vor der Kirche, mahnte Benedikt in einem Schreiben an den Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz, André-Joseph Léonard. Im April war der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurückgetreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben - auch noch, als er bereits Bischof war. (dpa)

Datum:  28 | 6 | 2010
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