Wien/Salzburg. Auch in Österreich kommen immer mehr Jahrzehnte zurückliegende Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche ans Tageslicht. In Salzburg nahm am Dienstag das Stift St. Peter zu seinem Erzabt Bruno Becker Stellung, der wegen Missbrauchsvorwürfen seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Das Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau im Vorarlberg bestätigte einen Missbrauchs-Fall und körperliche Gewalt in den 1980er Jahren. Man habe damals einen Missbrauchs-Fall gehabt, der nicht angezeigt worden sei, sagte der Mehrerau-Abt Anselm van der Linde den "Vorarlberger Nachrichten" (Dienstag).
Der Pater habe damals seine Tat gestanden und die Kirche habe ihn nach Tirol versetzt. Dort habe der heute 74-Jährige eine Therapie gemacht und arbeite weiter als Priester. 2001 habe dann ein weiterer Geistlicher seines Klosters einen drogensüchtigen Jungen in Innsbruck missbraucht. Er sei sofort suspendiert und vor Gericht verurteilt worden.
Internatsleiter Regens Dominikus Matt gab vereinzelte gewaltsame Übergriffe auf Schüler in der Vergangenheit zu: "Das kann ich bestätigen. Allerdings ist das schon lange her." In Salzburg hatte am Montag Erzabt Bruno Becker einen einmaligen sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen vor mehr als 40 Jahren zugegeben und seinen Rücktritt erklärt. Er habe sich bei dem Betroffenen entschuldigt und bedauere seine Tat noch heute aufs Tiefste.
In einer Pressekonferenz des Stifts am Dienstag wurden Ausmaß und Hintergründe der Tat klar: Der damals angehende Priester Becker soll erfahren haben, dass der Elfjährige bereits von zwei anderen Ordensbrüdern missbraucht wurde. Daraufhin bat er ihn unter der Vorspiegelung von Hilfe zu einem Gespräch, wo er sich dann selbst an dem Jungen verging. "In Fragen sexuellen Missbrauchs gibt es keine Toleranz, auch nicht für einen Erzabt", sagte Prior Korbinian Birnbacher. Becker sei selbst als Kind sexuell missbraucht worden. (dpa)
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