Trauer bei der FDP, Freude bei den Grünen: Die beiden Parteien können eine höchst gegenläufige Mitgliederbilanz des Jahres 2011 ziehen: Während die von Personalquerelen und schlechten Umfragewerten gebeutelten Liberalen rund 7,5 Prozent ihrer Beitragszahler verloren haben, wuchs die Ökopartei um den Rekordwert von gut elf Prozent.
Im abgelaufenen Jahr ist die Mitgliederzahl der Liberalen nach einer Umfrage dieser Zeitung um mehr als 5000 auf 63.416 gefallen. Das ist der stärkste Einbruch seit 15 Jahren. Gleichzeitig konnten die Grünen einen neuen Rekordwert verbuchen: Sie wuchsen um rund 6000 Mitglieder oder 11,3 Prozent auf 58.959 Mitglieder. Stichtag war jeweils der 20. Dezember.
„Das sind sehr deutliche Ausschläge. Die sind am oberen Rand dessen, was man normalerweise sieht“, urteilt der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. Nach den vorläufigen aktuellen Mitgliederzahlen, die dieser Zeitung vorliegen, nähern sich FDP und Grüne in rasendem Tempo einander an: Hatte die FDP Ende 2009 noch 72.116 Mitglieder gezählt und die Grünen gerade mal 48171, so ist der Abstand bis heute auf nur gut 4000 geschrumpft.
Abwärtstrend bei der Linkspartei
„Von Kollegen, die Wählerumfragen machen, höre ich, dass sich viele Befragte nicht mehr trauen zuzugeben, dass sie FDP wählen würden. Da ist ein solcher Einbruch bei den Mitgliederzahlen nicht weiter verwunderlich“, kommentiert Niedermayer. Umgekehrt hätten die Grünen mit ihrem Anti-Atom-Markenkern ganz offensichtlich stark von der Nuklearkatastrophe in Fukushima und der Berichterstattung über die Energiewende profitiert, glaubt der Parteienforscher.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen der anderen Art liefern sich seit Jahren die beiden Volksparteien SPD und CDU: Bei ihnen weist die Kurve der Mitgliederentwicklung stetig nach unten. Im laufenden Jahr sind beide Parteien erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von 500.000 Mitgliedern gefallen. Anders als bei der FDP leiden sie allerdings nicht vordringlich unter dramatischen Austritten. Vielmehr können die Eintritte die Sterbefälle der überalterten Klientel nicht ausgleichen.
Im Langfristvergleich unserer Grafik zeigt sich vor allem der Niedergang der SPD, die vor 20 Jahren noch fast eine Million Mitglieder zählte. Im Jahr 2008 fiel die Mitgliederzahl der Genossen erstmals in der Geschichte unter den Wert der CDU. Doch könnte sich diese Reihenfolge bald wieder umkehren. Mit minus 2,3 Prozent auf 493.846 Mitglieder verlor die CDU im Laufe des Jahres bis Ende Oktober nämlich deutlich stärker als die Konkurrenz.
Bei der SPD zeichnete sich im gleichen Zeitraum ein Rückgang um 1,7 Prozent auf 493.664 ab. Allerdings dürfte diese Zahl beim endgültigen Abschluss noch etwas nach unten revidiert werden, da ein Bettelbrief der Parteispitze in Nordrhein-Westfalen an der Basis nicht gut ankam und zu Austritten führte.
Niedermayer: "Entwicklung nicht überraschend"
Insgesamt hält Niedermayer die Entwicklung der Volksparteien nicht für überraschend: „Bei der CDU schlagen sich die Turbulenzen der Regierung im vergangenen Jahr nieder.“ Hingegen habe sich „die SPD wieder gefangen“, glaubt der Professor: „Das sieht man auch an den Umfragen, die deutlich über dem Wahlergebnis von 2009 liegen.“
Bei der Linkspartei, die bereits im vergangenen Jahr einen drastischen Rückgang ihrer Mitglieder um 5,6 Prozent hatte verwinden müssen und dies damals mit der Bereinigung der Kartei begründet hatte, setzt sich der Abwärtstrend auch im laufenden Jahr fort. Zum Jahresende dürfte die Partei nach internen Schätzungen noch 69.800 Mitglieder haben. Das sind 5,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die bayerische CSU konnte auf mehrmalige Anfrage der Frankfurter Rundschau keine aktuellen Zahlen nennen. Im Vorjahr war sie deutlich um 3,3 Prozent auf 153.890 Mitglieder geschrumpft.
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