Der Hersteller des Blackberry, die kanadische Firma „Research In Motion“ (RIM) wirbt auf seiner Internetseite: „Innovationen kennen weder Beschränkungen noch Grenzen“. Im Fall des Smartphones Blackberry heißt das aber auch, Informationen kennen keine Grenzen. Genau das stört einige Regierungen und vor allem die Herrscher der autokratischen Regime am Golf.
Saudi-Arabien will ab heute den Messenger-Service von Blackberry sperren. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) kündigten an, ab Oktober das Empfangen und Senden von E-Mails zu blockieren, das Surfen im Netz sowie ebenfalls den Messenger-Service. Auch Indien, Kuwait und Bahrain drohen mit Einschränkungen, sollte RIM keine Kompromisse machen und Zugriffe auf den Daten-Transfer über den Server in Kanada ermöglichen. Blackberry operiere nicht im gesetzlichen Rahmen, der in Ländern wie Saudi Arabien oder den VAE die Nutzung regele. „Die Daten gehen an einen ausländischen Server, der von einer ausländischen Firma kommerziell gemanagt wird,“ so die Kritik in einer Erklärung der Regulierungsbehörde in den VAE.
Sowohl Indien als auch die arabischen Staaten haben Gesetze und Vorschriften erlassen, die den Behörden erlauben, alles mitzulesen, was ihre Bürger sich im Netz mitteilen. Zudem ist der Zugriff auf viele Internetseiten gesperrt – was sowohl gewählte Regierende in Asien als auch arabische Potentaten vor allem mit Sicherheitsfragen und der Gefahr von Terror und Kriminalität begründen.
Angst vor Menschenrechtlern
So behauptet Indien, dass die Blackberry-Technik bei der Vorbereitung der Mumbai-Attentate 2008 eine Rolle spielte. Saudi-Arabien und die Emirate warnen ebenfalls, dass islamische Terroristen des internationalen Al-Kaida-Netzwerks sowie nationale Extremistengruppen sich mit Blackberrys abstimmen.
Unerwähnt hingegen lassen sie ihre Angst vor Menschenrechtlern und anderen Gruppen, die eine Demokratisierung ihrer diktatorischen Regimes fordern. Die Könige, Emire und Scheichs am Golf erinnern sich mit Schrecken an die Wucht, mit der sich die Oppositionsbewegung gegen die iranische Führung nach der Wahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad vergangenes Jahr formierte – und auch die Rolle, die Mobilfunk und Internet dabei spielten.
Aber auch die islamische Moral muss als Begründung für den Bann herhalten. Die konservativen Herrscher am Golf schätzen zwar die Vorzüge westlicher Freiheit, wenn sie sich aufs Geschäft beschränken, bei Ihren Auslandsreisen machen sie selbst davon auch großzügig Gerbrauch.
Online-Dates und Chatten
Aber die Blackberry-Nutzung ermöglicht vor allem ihren jungen Untertanen, die islamischen Moral-Vorschriften zu unterlaufen, ohne dass deren Hüter davon etwas mitbekommen und dagegen vorgehen können. Das betrifft Verabredungen zwischen Jungen und Mädchen, das Chatten im Internet, die Teilnahme an sozialen Netzwerken sowie den Zugriff auf Porno- und andere Internetseiten, die der Zensur unterliegen.
Aber nicht nur das erzkonservativ-religiöse Establishment und Sicherheitskräfte gehören zu den Lobbygruppen, die ihre Herrscher zu einem solchen Schritt drängen. Auch nationale Konkurrenten versprechen sich Vorteile. Die beiden staatlich kontrollierten Mobilfunkgesellschaften Etisalat und DU in den VAE informierten Blackberry-Nutzer per SMS, dass sie für Ersatz sorgen würden – mit kostenlosen Geräten von Apple, Nokia oder Samsung.
In Saudi-Arabien sind zwar 80 Prozent der Blackberrys im Besitz von privaten Nutzern. Doch für Yaved Akhtar, Wirtschaftsredakteur der Arab News, ist der Blackberry-Bann ein fatales Signal. Saudi-Arabien, die VAE und insbesondere das Emirat Dubai erholten sich allmählich von den Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, sagt er. „Geschäftsleute, Firmen und Investoren aber werden durch solche Restriktionen abgeschreckt.“
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