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21. August 2012

Möbelfertigung in der DDR: Ikea wegen Zwangsarbeit unter Druck

 Von Markus Decker
Ikea will bei der Aufklärung der Zwangsarbeits-Vorwürfe zunächst nicht mit Opferverbänden zusammenarbeiten.  Foto: rtr/Archiv

Der schwedische Möbelkonzern lehnt ein gemeinsames Forschungsprojekt mit den Opferverbänden zum Thema Zwangsarbeit vorerst ab. Dadurch kommt der schwedische Möbelgigant in der Öffentlichkeit immer stärker unter Druck.

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Der schwedische Möbelkonzern Ikea gerät wegen der im Frühjahr veröffentlichten Medienberichte, er habe einen Teil seiner Produkte von Zwangsarbeitern in der DDR fertigen lassen, abermals in die Kritik.

Nach Angaben der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hat das Unternehmen ein gemeinsames Forschungsprojekt abgelehnt. Man müsse „Prioritäten setzen“, heißt es in einem Brief an die UOKG. „Es gäbe vieles zu unterstützen, doch alles ist selbst uns nicht möglich.“ Der Verbandsvorsitzende Rainer Wagner erklärte daraufhin, bei der anfänglichen Ankündigung zur Zusammenarbeit habe es sich offenbar „um eine reine PR-Show“ gehandelt.

Zudem war der Konzern auch nicht bereit, wie jetzt bekannt wurde, im Mai an einer Podiumsdiskussion mit dem Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) teilzunehmen. Die Begründung lautete damals, die eigenen Recherchen seien noch im Gange; für eine Diskussion sei es zu früh.

Spielt Ikea auf Zeit?

Der Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sagte nun dieser Zeitung: „Ich habe das Gefühl, dass Ikea auf Zeit spielt und auf das kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit setzt.“ Er nannte es „problematisch, wenn der Angeschuldigte selbst und unkontrolliert die Vergangenheit prüft. Aufgabe der Politik wäre es, die Vorwürfe durch eine neutrale Stelle prüfen zu lassen.“ Knabe verwies darauf, dass der Möbelproduzent in den USA auch wegen Häftlingsarbeit auf Kuba unter Verdacht stehe.

Die Sprecherin von Ikea Deutschland, Sabine Nold, erklärte den ablehnenden Brief an die UOKG damit, dass deren Schreiben in der Urlaubszeit untergangen und seine Bedeutung nicht erkannt worden sei. Die ablehnende Reaktion spiegele nicht die Meinung des Unternehmens wieder. Allerdings ließ Nold offen, ob es eine gemeinsame Forschungskooperation geben werde. Darüber müssten zunächst Gespräche geführt werden.

Ob und in welchem Ausmaß Ikea in DDR-Haftanstalten auch von politischen Gefangenen produzieren ließ und inwiefern dies wissentlich geschah, wird im Auftrag des Unternehmens von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young untersucht. Diese lässt sich Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde kommen und hat für Betroffene eine Hotline eingerichtet. Der Prozess bleibt so unter Ikeas Kontrolle. Voraussichtlich bis Ende des Jahres werde die Untersuchung abgeschlossen sein, kündigte die Ikea-Sprecherin an. Über mögliche Konsequenzen werde danach entschieden.

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