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18. September 2012

Mohammed-Video: Broder beleidigt Augstein

 Von Marin Majica und Ulrike Simon
Der Journalist Henryk M. Broder ist nicht unbedingt für seinen zurückhaltenden Diskussionsstil bekannt.  Foto: dapd

„Ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder“ - so steht es über einem um 0.29 Uhr am Dienstag veröffentlichten Eintrag von Broder im Blog „Achse des Guten“. Gemeint ist Jakob Augstein, Herausgeber der linken Wochenzeitung Der Freitag.

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Es war schon spät, aber Henryk M. Broder wollte wohl unbedingt gehört werden, aus diesem Grund hat er seine Provokation gleich in die Überschrift gesetzt. „Ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder“ - so steht es über einem um 0.29 Uhr am Dienstag veröffentlichten Eintrag von Broder im Blog „Achse des Guten“. Gemeint ist Jakob Augstein, Herausgeber der linken Wochenzeitung Der Freitag.

Wie Augstein zu der zweifelhaften Ehre kommt, von Henryk M. Broder mitten in der Nacht beschimpft zu werden? Nun, eingehandelt hat er sich die Vorwürfe mit seiner Kolumne auf Spiegel Online. In der geht es in dieser Woche um die Ereignisse rund um das zu traurigem Ruhm gelangte „Mohammed-Video“ auf Youtube. Augstein lege angeblich nahe, die israelische Regierung habe in Zusammenarbeit mit US-Republikanern „die Sache auf den Weg gebracht“, schreibt Broder. „Das ist ein klassisches antisemitisches Argumentationsmuster, das Augstein bei den Alt- und Neonazis abgekupfert hat.“

Nun steht bei Augstein zwar etwas anderes, nämlich dass US-Konservative und die israelische Regierung die Veröffentlichung des Videos und die anschließenden gewalttätigen Proteste dankbar als Vorlage aufgegriffen haben - weil die einen Mitt Romney im Weißen Haus sehen wollen und ihnen ein ohnmächtig wirkender US-Präsident in den Kram passt und die anderen die Angst vor der iranischen Atombombe schüren. Beides sind keine gänzlich von der Hand zu weisenden Zusammenhänge. Es ließe sich ausgiebiger die Rolle der muslimischen Demonstranten diskutieren, die Augstein als willenlose Marionetten und ihrerseits Opfer schildert. Aber Amerika und Israel in einem Satz, das löst bei Broder offensichtlich Beißreflexe aus. 

„Ich fordere Augstein auf, mich zu verklagen“

Er erinnert daran, dass in rechten Kreisen die Verschwörungstheorie beliebt ist, der zufolge US-Kapitalisten und Zionisten gemeinsam Adolf Hitler an die Macht gebracht haben. Sie hätten, so die Theorie, den Mord an Millionen Juden billigend in Kauf genommen, um die Entstehung eines jüdischen Staates zu befördern.

Auf eine ähnliche Koalition spiele Augstein an. Und deshalb sei er - Broder schreibt es noch zweimal, damit es auch wirklich jeder mitbekommt - eben „ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder“. Nur die "Gnade der späten Geburt" habe ihn daran gehindert, Karriere im Reichssicherheitshauptamt zu machen, schreibt Broder und nennt Augstein auch noch einen "kleinen Streicher von nebenan", was mutmaßlich auf Julius Streicher anspielt, Herausgeber des NS-Hetzblattes Der Stürmer.

Broder ist bekannt für seine Verbalinjurien, die geradezu nach Skandalisierung suchen, nur dass er den erwünschten Effekt dieses Mal gleich selbst ausspricht: „Ich fordere Augstein auf, mich zu verklagen.“ Ein Wunsch, dem dieser offensichtlich nicht nachkommen will. „Unsinn“, antwortet Augstein auf die Frage, ob er rechtliche Schritte unternehmen will. "Ich schätze und respektiere Henryk M. Broder sehr, auch in seinen Irrtümern." Was er mit diesem Lob anfängt, kann sich Broder ja dann heute Nacht überlegen.


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