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Montaseri-Gedenkveranstaltung abgebrochen: Trauer in Grün

Hunderttausende iranische Oppositionelle sollen zum Begräbnis des Regimekritikers Montaseri gekommen sein. Ihre Wut auf Ahmadineschad ist so groß, dass der Trauergottesdienst wohl abgebrochen werden musste. Von Birgit Cerha

Hunderttausende versammeln sich zum Begräbnis von Regimekritiker Montaseri.
Hunderttausende versammeln sich zum Begräbnis von Regimekritiker Montaseri.
Foto: afp

Die Trauerbekundungen am Montag haben es in sich: "Unschuldiger Montaseri, dein Weg wird fortgesetzt, selbst wenn der Diktator Kugeln auf unsere Köpfe niederprasseln lässt." Und: "Montaseri ist nicht tot. Es ist die Regierung, die tot ist." Mit solchen Slogans nutzt am Montag die iranische Oppositionsbewegung die Trauerfeier für den am Sonntag verstorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri zu einem Massenprotest gegen das Regime.

Später heißt es: Gegner des verstorbenen Regimekritikers hätten den Trauergottesdienst am Montag derart gestört, dass er abgebrochen werden musste, so berichtete die Internetseite des konservativen Präsidentschaftskandidaten Mohsen Resaie. "Etwa 2000 Gegner Montaseris versammelten sich vor der Asam-Moschee und unterbrachen die Gedenkveranstaltung", meldete die Resaie nahestehende Website Ayande von der Veranstaltung in der Pilgerstadt Ghom. Die Sicherheitskräfte seien nicht gegen die Störer vorgegangen.

Die den Reformkräften nahestehende Website Kaleme meldete einen Angriff auf den Wagen des Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi. Einer seiner Begleiter sei von den in Zivil gekleideten Motorradfahrern verletzt worden. Die Heckscheibe des Autos sei zu Bruch gegangen. Der Angriff habe sich auf der Rückfahrt von Ghom ereignet.

Zusammenstöße mit Sicherheitskräften

Ausländische Journalisten waren von den Trauerfeiern ausgeschlossen, der persische Dienst des BBC wurde gestört. Nach Berichten iranischer Blogger und Websites strömten Zehntausende Menschen nach Ghom, wo Montaseri gelehrt und gelebt hatte.

Im Anschluss an das Begräbnis sei es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. Auch zahlreiche Oppositionelle seien festgenommen worden. Die Führer der Grünen Bewegung, Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi, hatten den Montag zu einem nationalen Trauertag ausgerufen. Im Hause Montaseris in Ghom hatten sich vor dem Begräbnis zahlreiche Reformgeistliche versammelt.

Ali Montaseri, engster Mitstreiter von Revolutionsführer Ajatollah Khomeini und einer der geistigen Väter der islamischen Republik, war Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren verstorben. Als Großajatollah war er einer der religiös angesehensten Persönlichkeiten in der schiitischen Welt. Er besaß darüber hinaus aber im Iran besondere Popularität wegen seiner humanistischen Einstellung, seiner Offenheit und seinem Mut, selbst unter größtem persönlichen Risiko offen seine Überzeugungen auszusprechen.

Einst von Khomeini als sein Nachfolger auserkoren, überwarf er sich mit ihm, als er sich offen gegen die Fortsetzung des Krieges gegen den Irak einsetzte und die Massenhinrichtungen von Oppositionellen und systematische Folter verdammte. Er stieg schließlich zum schärfsten Gegner von Khomeinis Nachfolger Chamenei auf, dem er die religiösen Qualifikationen für dieses höchste politisch-religiöse Amt im Iran absprach. Im Juni wurde er nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl zum mächtigen Kritiker Ahmadinedschads. Er rief die Demonstranten aber immer wieder dazu auf, auf Gewalt zu verzichten und Geduld zu haben.

Teheran ist nervös

Der Tod Montaseris trifft das Regime in einer besonders kritischen Phase. Die Nervosität der Herrscher lässt sich allein daran erkennen, wie Teheran mit dem Todesfall umgeht. So meldete die Nachrichtenagentur Irna den Tod in Kurzform. Die regierungstreuen Medien wurden aufgefordert, das Porträt des Toten nicht auf den Titelseiten zu veröffentlichen. Chamenei kritisierte den Verstorbenen sogar noch in einem Kondolenzschreiben. Er hoffe, schrieb er, Gott werde dem Großajatollah vergeben, dass er seine "große Prüfung" nicht bestanden habe. Er meinte damit den Konflikt mit Khomeini.

Mit größter Nervosität sieht Irans Führung dem kommenden Sonntag entgegen. Am siebten Tag nach dem Tod wird nach islamischer Tradition der Verstorbenen besonders intensiv gedacht. Die Trauer um Montaseri fällt mit dem schiitischen Ashura-Fest zusammen, das an den Märtyrertod von Hussein, dem ermordeten Enkel des Propheten Mohammed erinnert. Das Regime befürchtet schon länger, die Opposition werde an diesem religiösen Trauertag erneut protestieren. (mit rtr)

Autor:  Birgit Cerha
Datum:  21 | 12 | 2009
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