München. Auch in Bayern haben Staatsanwaltschaft und Polizei führende Mitglieder von Islam-Vereinen im Visier. Es handelt sich unter anderen um den Münchner Prediger und Chef der Moschee in Freimann, Ahmad al-Khalifa. Vergangene Woche wurden in München und Garching Wohnungen sowie Geschäfts- und Vereinsräume durchsucht, darunter auch die Moschee in Freimann. 2005 wurde hier eine deutsch-islamische Schule geschlossen, da der Verfassungsschutz es als bewiesen ansah, dass sie unter dem Einfluss der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) stand.
Das Polizeipräsidium in München teilte mit, die Staatsanwaltschaft ermittele bereits seit Anfang 2007 wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung "gegen namentlich bekannte Personen". Demnach sollen Tätigkeit und Zweck dieser Vereinigung "auf die Begehung von Straftaten mit dem Ziel der Erlangung von Geldern" gerichtet sein, um "eigene politisch-religiöse und letztlich islamistische Ziele zu verfolgen".
Lob von bayerischen Jusos
Drei der bundesweit insgesamt sieben Beschuldigten hätten ihren Wohnsitz in München und Umgebung und direkte Verbindungen zu islamistischen Gruppierungen. Einer sei federführend "in einer Münchner Moschee mit Bezug zur sunnitisch-extremistischen Muslimbruderschaft" tätig, so die Polizei, ein anderer habe bereits während des Bosnien-Kriegs für Spenden für die so genannten Gotteskrieger geworben. Der dritte Beschuldigte sei in einer islamistischen Jugendorganisation aktiv.
Die Moschee in München-Freimann wurde zwischen 1967 und 1973 errichtet und ist damit die älteste in Bayern. Nach Recherchen des US-Journalisten Ian Johnson, der die Geschichte der Münchner Moschee im Wall Street Journal beschrieb, soll der Treffpunkt Brückenkopf radikaler Islamisten in Europa gewesen sein. Von dem Münchner Stadtteil aus soll sich die Muslimbruderschaft über ganz Europa verteilt haben. Bestätigt haben soll das dem US-Journalisten Mohammed Mahdi Akef, der 2004 Führer der Muslimbrüder wurde und zwischen 1984 und 1987 Chef in Freimann war.
Doch beteuerten dessen Nachfolger stets, längst keine Verbindung zur Muslimbruderschaft mehr zu haben. Ludwig Spaenle (CSU), jetzt Bayerns neuer Kultusminister, lobte 2008 in einem Interview die älteste Münchner Moschee als "Beispiel dafür, wie Integration funktioniert". Auch eine Juso-Gruppe aus Freising, die im Januar Gast in der Moschee war, war positiv beeindruckt.
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