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Mossad-Chef im Porträt: Gefürchteter Draufgänger

Geheimdienstchefs sehen selten aus wie Agent 007. Meir Dagan, Boss des israelischen Mossad, ist da keine Ausnahme. Doch Skrupellosigkeit, gepaart mit starken Nerven, werden auch Dagan nachgesagt. Von Inge Günther

Meir Dagan
Meir Dagan
Foto: rtr

Geheimdienstchefs sehen selten aus wie Agent 007. Meir Dagan, Boss des israelischen Mossad, ist da keine Ausnahme. Äußerlich gleicht er einem freundlichen Herrn mit Halbglatze und Knubbelnase, der am Zebrastreifen verlässlich stoppt. Dagan, 1945 im russischen Nowosibirsk als Meir Huberman geboren, ist von der ägyptischen Zeitung Al Ahram vor nicht allzu langer Zeit als "Israels Superman" bezeichnet worden.

Jetzt ist er in die Bredouille geraten, seitdem immer mehr Details über das Mordkomplott gegen einen Hamas-Führer in Dubai bekannt werden. Der Polizeichef des Emirats am Golf will gar über Interpol einen Haftbefehl gegen Dagan erwirken, sollte der Beweis erbracht werden, dass tatsächlich der Mossad hinter der Sache steckt, wovon der Chefermittler in Dubai überzeugt ist.

Auch in Israel meinen einige, Dagan müsse gehen. Die Operation - wenn es denn der Mossad war - wachse sich zu einem diplomatischen Fiasko aus. Andere halten es für kaltblütig, dass die verkleideten Mitglieder des Killerkommandos noch in der Nähe des Tatorts, dem Luxushotel Al-Bustan Rotana, ungerührt in Überwachungskameras blickten und mit ihren gefälschten europäischen Pässen Stunden später außer Landes geflogen waren.

Skrupellosigkeit, gepaart mit starken Nerven, werden auch Dagan nachgesagt. Dank dieser Eigenschaften verhalf der Sohn von Holocaust-Überlebenden dem israelischen Auslandsgeheimdienst laut Insidern wieder zur "legendären Größe". Dem Draufgänger mit Scharfsinn erschien der Mossad bei seiner Amtsübernahme als zu "risikoscheu".

Die Regierungschefs Scharon, der den General der Reserve 2002 zum Mossad-Chef gemachte hatte, Ehud Olmert wie jetzt auch Benjamin Netanjahu ließen ihm weitgehend freie Hand. Deren Einschätzung, dass Irans atomare Gelüste für Israel die größte Bedrohung seien, teilt Dagan ohnehin voll und ganz. Bei Beratungen mit Scharon, wie man am besten gegen Teheran vorgehen könne, soll er gesagt haben: "Lasst mich das auf meine Art machen."

Eine Pannenserie, die seitdem Teherans Nuklearprojekt befiel, passt da ins Bild. Mal verschwand ein iranischer Nuklearwissenschaftler auf mysteriöse Weise, mal stürzten zwei iranische Flugzeuge ab, die offenbar Reaktormaterial geladen hatten. Auch das Attentat auf den Militärchef der pro-iranischen Hisbollah vor zwei Jahren in Damaskus reiht sich ein.

Zweimal bereits wurde Dagans Amtszeit verlängert. An Rücktritt denkt er auch jetzt nicht. Das käme einem Schuldeingeständnis gleich. Abgesehen davon würde es am Mythos des Mossad rütteln, den Dagan wie wenige vor ihm verkörpert.

Autor:  Inge Günther
Datum:  20 | 2 | 2010
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