Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ist einer der fünf islamischen Dachverbände hierzulande. In ihm sind vor allem Muslime mit arabischem und bosnischem Hintergrund zusammengeschlossen. Er hat 19 Mitgliedsvereine mit nach Schätzungen insgesamt 30 000 Mitgliedern.
Mächtigstes Mitglied dürfte die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) sein. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Zentralrats und wird vom baden-württem- bergischen Verfassungsschutz als "einflussreiche sunnitische Organisation arabischer Islamisten in Deutschland" beschrieben.
Auf europäischer Ebene hat die IGD die "Federation of Islamic Organisations in Europe" (FIOE) mitgegründet, die die Führungsrolle für den sunnitischen Islam in Europa anstrebt. Die IGD, deren Chef Ibrahim El-Zayat ist, hat ihren Sitz in München und unterhält nach eigenen Angaben regionale Islamische Zentren in Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln, Marburg, Braunschweig und Münster. Weitere Zentren gibt es in Hamburg, Aachen und München. Einrichtungen in Heilbronn, Karlsruhe und Ulm stehen der IGD nahe.
Der Vorbeter des Münchner Zentrums, Ahmad al-Khalifa, ist einer der Hauptbeschuldigten bei den derzeitigen Ermittlungen. Problematisch an der IGD: Sie ist laut Bundesamt für Verfassungsschutz "die in Deutschland mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der islamistischen Muslimbruderschaft (MB)."
Die wurde 1928 in Ägypten gegründet und ist unter anderem die Mutterorganisation der radikalen palästinensischen Hamas. In Ägypten strebt sie eine vom Islam bestimmte Staats- und Rechtsordnung an. Deshalb ist sie verboten und wird unterdrückt.
Wie viele MB-Anhänger es in Deutschland gibt, weiß auch der Verfassungsschutz nicht, denn, so heißt es im Bundesamts-Bericht 2007, sie würden sich "nur selten zur MB bekennen". Nicht klar ist auch, wie radikal mutmaßliche Muslimbrüder in Deutschland sind.
IGD-Chef El-Zayat wehrt sich seit Jahren gegen die Behauptung, er sei der heimliche Chef der Muslimbrüder in Deutschland. In diversen Islamischen Zentren fanden Ermittler aber immer wieder Schriften prominenter ägyptischer MB-Vertreter.
Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) hat türkisch-sunnitische Wurzeln. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz ist die IGMG mit geschätzten 27000 Mitgliedern die "größte islamistische Organisation in Deutschland". Aber der Geheimdienst betont auch: "Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Mitglieder/Anhänger islamistische Ziele verfolgen oder unterstützen."
Nach eigenen Angaben vertritt Milli Görüs 500 Moscheegemeinden. Gründer und geistiger Führer der internationalen Milli-Görüs- Bewegung ist der türkische Politiker Necmettin Erbakan, der antiwestliche und antidemokratische Rhetorik vereint mit dem Ruf nach einer islamischen Ordnung für die Türkei.
Eine seiner Nichten ist Sabiya El-Zayat, die Ehefrau des IGD-Chefs Ibrahim El-Zayat. Experten werfen Milli Görüs in Deutschland vor allem Integrationsfeindlichkeit vor. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim entschied 2008, IGMG-Funktionäre hätten wegen demokratiegefährdender Tendenzen kein Recht auf Einbürgerung. Allerdings räumen selbst Verfassungsschützer ein, dass sich innerhalb von Milli Görüs moderate Strömungen entwickelt haben und um mehr Einfluss kämpfen.
Die überwiegende Mehrheit der etwa 3,5 Millionen Muslime in Deutschland allerdings, nämlich fast 90 Prozent, gehört gar keinem Verband an. Pauschaler Islamismusverdacht gegen "die Muslime" ist also fehl am Platz. rü
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