Der Mordprozess gegen den mutmaßlichen KZ-Wachmann John Demjanjuk wird nicht vorzeitig eingestellt. Das Landgericht München wies am Montag einen Antrag der Verteidigung als unbegründet zurück. Auch werde der wohl letzte große Prozess um Nazi-Verbrechen weder ausgesetzt noch der Haftbefehl gegen den 89-jährigen gebürtigen Ukrainer aufgehoben. Demjanjuks Anwalt Ulrich Busch scheiterte damit zunächst mit seiner Taktik, den Prozess zu verzögern.
Die Staatsanwaltschaft wirft Demjanjuk, der im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft geriet und für die Nazis im Vernichtungslager Sobibor im heutigen Polen als Wächter gearbeitet haben soll, Beihilfe zum Mord an 27.900 Menschen vor, die meisten davon Juden. Er soll Kinder, Frauen und Männer in die Gaskammern getrieben haben.
Demjanjuk verfolgte das Verfahren gestern zunächst im Rollstuhl. Nach der Mittagspause klagte er über starke Rückenschmerzen, so dass für ihn extra ein Bett im Gerichtssaal aufgebaut wurde. Während der eingeschränkt verhandlungsfähige Angeklagte im Gerichtssaal den Eindruck eines Greises erweckt, sagte der Leiter der Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim, Michael Stumpf, Demjanjuk nehme regelmäßig am Hofgang teil. "Er kommt entweder im Rollstuhl oder er benutzt eine Gehhilfe", sagte Stumpf der in Berlin erscheinenden Tageszeitung (Dienstagausgabe). Demjanjuk lese eine ukrainische Zeitung und bereite sich selbst Speisen wie Salate zu.
Zwölf weitere Nebenkläger schilderten vor dem Landgericht teils mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme, wie sie den Holocaust überlebten. Meist konnten sie sich als kleine Kinder bei Freunden oder Verwandten verstecken, verloren aber Angehörige. Der 83-jährige Robert Cohen sagte, er sei selbst im Vernichtungslager Auschwitz und in vielen anderen Lagern gewesen. Sein Bruder und seine Eltern seien in Sobibor umgebracht worden.
Demjanjuks Anwalt Busch erwiderte, keiner der Nebenkläger sei ein Tatzeuge, alle seien weit vom Tatort entfernt gewesen. Die im Prozess verwendeten Listen von Deportationen aus dem niederländischen Lager Westerbork nach Sobibor seien zudem kein Beweis für die Taten.
In Sobibor sind mindestens 250 000 Juden getötet worden. (rtr)
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