Ein Untersuchungsbericht zu dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi hat schwere Sicherheitsmängel rund um die diplomatische Mission in Libyen moniert. Die Sicherheitsvorkehrungen zur Abwehr derartiger Angriffe seien zutiefst unzureichend gewesen, hieß es in am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Auszügen des Berichts.
Das Personal in Bengasi sei schlecht ausgestattet gewesen, hieß es in den Schlussfolgerungen einer vom Außenministerium eingesetzten Kommission. Die US-Diplomaten hätten sich auf bewaffnete, jedoch schlecht ausgebildete örtliche Milizen verlassen müssen. Forderungen, das Botschaftspersonal in Bengasi und in der libyschen Hauptstadt Tripolis zu verstärken, seien ignoriert worden.
Drei Monate lang hatten die Mitglieder der unabhängigen Kommission die Umstände der Attacke vom 11. September untersucht. Bei dem Angriff waren vier US-Bürger getötet worden, darunter Botschafter Chris Stevens. Vor der Erstürmung des Konsulats habe es keine Hinweise auf eine Bedrohung gegeben, hieß es in der Untersuchung. Zum Schutz Stevens' sei aber alles unternommen worden.
Die Kommission sprach in dem Bericht laut Außenministerin Hillary Clinton 29 Empfehlungen zur Verbesserung der Lage aus. Sie habe jede einzelne akzeptiert, erklärte sie. So gebe es etwa bereits Pläne, Hunderte zusätzliche Marineinfanteristen zur Unterstützung des Personals an sämtlichen US-Botschaften zu entsenden.
Im Sudan stürmten aufgebrachte Demonstranten die Deutsche Botschaft und steckten sie in Brand.
Foto: dapdDie Regierung von US-Präsident Barack Obama war nach dem Vorfall in Bengasi scharf kritisiert worden, weil sie den Angriff erst nach mehreren Tagen als Terrorakt eingestuft hatte. Vor allem Obamas UN-Botschafterin Susan Rice stand im Mittelpunkt der Kritik, weil sie die Attacke zunächst als Protest gegen ein islamfeindliches Video und nicht als Terrorangriff darstellte.
Rice galt lange als mögliche Nachfolgerin für Clinton, die ihr Amt mit dem Beginn der neuen Amtszeit von US-Präsident Barack Obama Mitte Januar abgeben will. Im Zuge der Affäre um den Anschlag schied Rice jedoch aus dem Rennen aus. Anwärter auf das Amt des US-Außenministers ist nun der demokratische Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John Kerry.
Vor wenigen Tagen berichtete die US-Tageszeitung Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, die ägyptischen Behörden hätten einen mutmaßlichen Extremistenführer festgenommen, der hinter dem Anschlag von Bengasi stecken solle. Demnach handelte es sich um einen etwa 45-Jährigen, der im vergangenen Jahr in Ägypten aus dem Gefängnis entlassen worden sei. (afp)
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