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18. Dezember 2012

Nach dem Amoklauf von Newtown: Waffenlobby gerät in die Defensive

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Kreuze und ein jüdischer Stern erinnern an die Opfer von Newtown. Foto: dapd

Nach dem Amoklauf in einer Schule in Newtown wird in den USA erstmals ernsthaft über schärfere Waffengesetze diskutiert. Auch konservative Politiker werden nachdenklich - die Waffenlobby könnte ihren Einfluss in Washington verlieren.

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Das Massaker in Newtown, dem zwanzig Schulkinder im Alter von sechs und sieben Jahren und sechs Lehrer zum Opfer fielen, verändert die positive Einstellung der Amerikaner zu Schusswaffen. Offenbar aus Sorge, dass die Waffengesetze verschärft werden und die Verkaufszahlen sinken könnten, kündigte jetzt der Finanzinvestor Cerberus an, den Gewehrhersteller Bushmaster verkaufen zu wollen. Mit einer halbautomatischen Schnellfeuerwaffe dieses Typs schoss der Amokläufer Adam Lanza am vergangenen Freitag in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown im Bundesstaat Connecticut um sich, bevor er sich selbst tötete.

„Es ist offensichtlich, dass die Tragödie von Sandy Hook ein Wendepunkt war, der die Debatte über Waffenkontrolle auf ein noch nie da gewesenes Niveau gebracht hat“, teilte das Private-Equity-Unternehmen Cerberus in einer schriftlichen Erklärung mit. Cerberus hatte Bushmaster im Jahr 2006 gekauft und mit anderen Waffenherstellern in der sogenannten Freedom Group zusammengefasst.

Die Unternehmensgruppe, die in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Umsatz von fast 680 Millionen US-Dollar machte, soll nun so schnell wie möglich verkauft werden. Das Cerberus-Management erklärte, das Geld aus dem Verkauf werde an die Anleger zurückgegeben. Zu diesen gehört der kalifornische Lehrerpensionsfonds CalSTRS, der 750 Millionen Dollar in der Freedom Group angelegt hat. Das Fondsmanagement hatte am Wochenende offenbar Druck auf Cerberus ausgeübt und auf den Verkauf der Waffenhersteller gedrängt. „Unsere Investmentabteilung untersucht derzeit unsere Anlagen bei Cerberus, um festzustellen, wie wir angesichts der tragischen Ereignisse vom vergangenen Freitag am besten in die Zukunft gehen“, sagte ein Sprecher des Pensionsfonds.

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Senator wechselt die Seiten

Erstmals seit vielen Jahren scheint auch die US-Politik über eine Verschärfung der laxen Waffengesetze ernsthaft nachzudenken. Relativ schnell im neuen Jahr könnte es zu einer Neuauflage des Verkaufsverbots für halbautomatische Schnellfeuerwaffen kommen. Ein ähnliches Verbot existierte bereits vom Jahr 1994 an. Es lief allerdings im Jahr 2004 aus und wurde – trotz gegenteiliger Bekundungen, etwa vom späteren US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2008 – bislang nicht verlängert.

Nach dem Massaker von Newtown zeichnen sich aber neue Mehrheiten für eine Verschärfung im US-Kongress ab. Überraschend sagte jetzt etwa Senator Joe Manchin aus dem Bundesstaat West Virginia, in den kommenden Wochen und Monaten müssten alle Optionen debattiert werden. Manchin war bislang ein ausgesprochener Advokat des Rechts auf Waffenbesitz. Im Wahlkampf 2010 ließ er einen TV-Werbespot aufnehmen, in dem er ein Gewehr abfeuerte.

Manchin wurde jahrelang von der mächtigen Waffenlobby-Gruppe National Rifle Association (NRA) unterstützt, obwohl er den Demokraten angehört. Die NRA hat mehr als vier Millionen Mitglieder und tritt für einen bedingungslosen Erhalt des zweiten Zusatzes zur US-Verfassung ein, in dem das Recht auf Waffenbesitz festgeschrieben ist.

Wenn sich nun Senatoren wie Manchin von der gemeinsamen Sache abwenden, droht die NRA politischen Einfluss in Washington zu verlieren. Der Organisation, die gewöhnlich wortgewaltig für ihre Positionen wirbt und bislang nach jedem Amoklauf erklärt hat, dass mehr Waffen auch mehr Sicherheit bedeuten, hat es nach dem Massaker von Newtown offenbar die Sprache verschlagen. Die NRA kommentierte den Amoklauf bislang nicht. Die Facebook-Seite ist abgeschaltet, und auch über Twitter ist nichts von der NRA zu lesen.

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