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15. Juli 2014

Nahost Gaza: Die Kriegsgewinnler

 Von 
Aus Gaza-Stadt in Richtung Israel abgefeuerte Raketen hinterlassen eine verräterische Spur.  Foto: AFP

Der Gaza-Konflikt bietet für die meisten Akteure in der Region mehr Chancen als Risiken. Den Preis zahlen Zivilisten. Auch Ägypten bemüht sich um eine Waffenruhe.

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Es ist der ewige Kreislauf der Gewalt zwischen Israel und der Hamas. Der Anlass ist immer neu, doch der Verlauf, den der Konflikt dann nimmt, ähnelt sich. Und die Sieger und Verlierer sind auch immer die Gleichen.

Der israelischen Armee geht es darum, das militärische Potenzial der Hamas in Gaza zu zerstören und so für Monate oder gar Jahre den Israelis Sicherheit zu bringen. Solange braucht die Hamas, um neue Raketen zu beschaffen und das Tunnel- und Bunkersystem wieder aufzubauen. Ist alles bereit, so beginnt die Hamas-Führung mit Provokationen. So war es 2009 und 2012 und so war es auch jetzt wieder.

Auffällig ist, dass dies immer dann geschieht, wenn es kurz zu einer Annäherung zwischen den beiden Palästinenserfraktionen Hamas und Fatah gekommen ist. Als ob die Hamas-Führer doch lieber das Land zerstören lassen, als es gemeinsam mit der ihr so verhassten Fatah-Führung in die Zukunft zu führen. Vor allem geht es Hamas aber darum, die islamische Öffentlichkeit für sich zu mobilisieren.

Gerade jetzt steht viel auf der Kippe: Der Iran, wichtiger Waffenlieferant der Hamas, droht sich abzuwenden – spitzt sich doch der regionale Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten weiter zu. Zudem droht eine Annäherung zwischen Washington und Teheran. Da scheint es aus Sicht der Hamas an der Zeit, Fakten zu schaffen. Die entsetzlichen Bilder verstümmelter Kinder und zerstörter Schulen sollen die Führer im Teheran zwingen, der Hamas die Treue zu halten.

Auch die Nachbarstaaten stehen – trotz der demonstrativen Empörung – vor dem, was man in der Wirtschaft eine „win-win“-Situation nennt. Zum Beispiel Ägypten. Die neue Regierung von Abdel Fattah al-Sisi kommt der Krieg in Gaza sehr gelegen. Erstens bietet er den TV-Zuschauern Ablenkung von der innenpolitischen Misere: Gerade wurden die Subventionen auf Treibstoff gekürzt; bei den Armen wächst der Zorn auf die Regierung.

Ägypten als Vermittler

Zudem ist es im Interesse der Armee, wenn die Hamas um ihr militärisches Potenzial gebracht wird. Schließlich hat die neue Regierung die islamische Organisation, die eng mit der Muslimbruderschaft verbunden ist, ganz oben auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt.


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Vor allem eröffnet der Konflikt aber die Gelegenheit, die Freundschaft der USA zurückzugewinnen. Seit der Absetzung von Präsident Mohammed Mursi 2013 kriselte es zwischen Kairo und Washington. Zuletzt signalisierte Washington zwar Interesse, die Beziehungen wiederzubeleben. Doch erwiesen sich die rabiaten Methoden, mit denen Kairo gegen Kritiker vorgeht, die hundertfachen Todesurteile und die langen Freiheitsstrafen für Journalisten zu Stolpersteinen auf diesem Weg.

Dass Ägypten sich um einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas bemüht, erleichtert es Washington, Ägypten wieder die Hand zu reichen. Stolz kündigte die regierungsnahe Zeitung „Al-Ahram“ am Dienstag an, dass der US-Außenminister zu einem Spontanbesuch am Nil erwartet werde. Zudem ist Ägypten nun doch zum Afrika-Gipfel nach Washington eingeladen.

Seine Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt weiß Kairo schon seit Jahrzehnten gewinnbringend einzusetzen. Immer wieder lässt sich Kairo dafür feiern, doch klar ist – auch das ist immer gleich: Einen Waffenstillstand gibt es erst, wenn alle Seiten ihre Kriegsziele erreicht haben. Und die Lösung wird auch nicht von langer Dauer sein, dann beginnt der Kreislauf von neuen.

Die Verlierer sind wieder die Zivilisten. In Gaza ist ihre Situation auch in „Friedenszeiten“ erbärmlich, und es wird sich nichts ändern, solange alle anderen von diesem Konflikt profitieren. Die Menschen in Gaza ebenso wie die Bevölkerung in den Städten nahe der Grenze in Israel bezahlen den Preis, wenn die Gewalt wieder einmal explodiert. Und mit jedem Mal werden die Waffen besser und die Methoden brutaler.

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